Der Präsident der Weltbank, Jim Yong Kim (r) und die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Christine Lagarde © Saul Loeb/AFP/Getty Images

Menschenrechtsexperten werfen der Weltbank vor, in zahlreichen Projekten massiv die Menschenrechte zu verletzen. Allein im vergangenen Jahrzehnt hätten 3,4 Millionen Menschen in mehr als 900 Weltbank-Projekten ihr Land oder einen Teil ihrer Lebensgrundlage verloren, berichten Süddeutsche Zeitung, WDR und NDR zum Auftakt der Weltbank-Konferenz in Washington.

Die Medien berufen sich dabei auf die Analyse von 6.600 Dokumenten durch ein Team des Internationalen Konsortiums für Investigative Journalisten (ICIJ). Mehr als 50 Journalisten aus 21 Ländern hätten zudem im letzten Jahr Hunderte Interviews geführt und Projekte in Ländern wie Uganda, Äthiopien, Kosovo und Indien besucht.

Bei von der Weltbank finanzierten Infrastrukturprojekten in Afrika etwa würden Armutsviertel zum Teil ohne Vorwarnung niedergewalzt, heißt es in den Berichten. Bewohner würden zwangsweise umgesiedelt oder obdachlos.

Menschenrechtler kritisieren zudem, dass Deutschland als einer der Hauptgeldgeber seinen Einfluss nicht genügend geltend mache, um schädliche Projekte zu verhindern. Knud Vöcking von der Menschenrechtsorganisation Urgewald sagte: "Deutschland hält auf dem Papier Menschenrechte hoch, wird aber still, wenn es konkret wird."

Die Weltbank wurde 1944 in Bretton Woods gegründet und ist keine Bank im eigentlichen Sinne. Sie ist eine der weltweit größten Finanziers von Entwicklungsvorhaben und vergibt Kredite, damit zum Beispiel Krankenhäuser, Schulen oder Staudämme in Entwicklungs- und Schwellenländern gebaut werden können. Mehr als 65 Milliarden US-Dollar flossen 2014 in Projekte weltweit. Deutschland ist nach Großbritannien, den USA und Japan viertgrößter Geldgeber.

Konfrontiert mit den Rechercheergebnissen, habe die Weltbank im März schwere Fehler eingestanden, berichten Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR weiter. Viele Projekte seien in der Vergangenheit schlecht bis gar nicht dokumentiert worden. "Wir haben unsere Arbeit in diesem Bereich kritisch untersucht, und was wir herausgefunden haben, erfüllt mich mit großer Sorge", zitieren die Medien Weltbankpräsident Jim Yong Kim: "Wir müssen und wir wollen es besser machen."