Im Ringen zwischen Athen und den internationalen Geldgebern um weitere Hilfsmilliarden für Griechenland haben die Europartner nun de facto auf eine wichtige Frist verzichtet. Die im Februar vereinbarte Vorgabe, bis Ende April eine umfassende Aufstellung zu den Athener Reformplänen zu haben, sei nur noch äußert schwierig einzuhalten, machte ein Eurogruppen-Verantwortlicher in Brüssel deutlich. "Wir sind noch einen bedeutenden Weg entfernt, bevor wir signalisieren können, dass ein Ergebnis in Sicht ist", sagte der Verantwortliche mit Blick auf die Expertenverhandlungen über die Reformen.

Wichtiger sei eine weitere, bis zum 30. Juni laufende Frist – dann endet die viermonatige Verlängerung des griechischen Hilfsprogramms. Ohne eine Verständigung auf die Reformliste können die derzeit blockierten etwa 7,2 Milliarden Euro Hilfskredite nicht fließen. Ein neues Hilfsprogramm lehnt die neue griechische Links-rechts-Regierung aber ab.

Bei den Reformen geht es unter anderem um einen verstärkten Kampf gegen die Steuerflucht oder die Privatisierung von Flughäfen oder Häfen

Die Finanz-Staatssekretäre der 19 Euroländer werden am Mittwoch in einer Telefonkonferenz erneut über die Lage beraten. Griechenland ist auch Thema beim Treffen der Euro-Finanzminister an diesem Freitag in Riga – konkrete Abmachungen werden dort aber nicht erwartet.

Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem sieht indes Fortschritte bei den Verhandlungen über ein Reformpaket. Eine Vereinbarung mit den Europartnern sei bis Ende April immer noch möglich, sagte der niederländische Sozialdemokrat in Den Haag laut Nachrichtenagentur ANP. "Notfalls nehmen wir ein paar Extra-Wochen." Er warnte aber davor, die Gespräche zu lange hinzuziehen. Die Situation werde für die Griechen beschwerlich, so der Chef der Euro-Finanzminister. 

Griechenland braucht dringend Geld für die fällige Zahlung von Renten und Gehältern im öffentlichen Sektor. Langfristig könnte ein Geschäft mit Russland die Staatskasse füllen helfen. Der Staatskonzern Gazprom will die Gasleitung Turkish Stream durch die Türkei und Griechenland führen. Die Regierung in Athen soll Medienberichten zufolge fünf Milliarden Euro Vorauszahlung erhalten – für künftige Durchleitungsgebühren. Gazprom-Chef Alexej Miller verhandelte am heutigen Dienstag in Athen mit dem griechischen Premier Alexis Tsipras. Ein Vertrag kam aber noch nicht zustande. Unklar ist auch, wer die zwei Milliarden Euro Baukosten über griechisches Gebiet tragen soll. Vor wenigen Wochen war Tsipras in Moskau zu Besuch, gut möglich, dass sich der Deal dort bereits anbahnte.

Positive Nachrichten für Griechenland kamen vom Europäischen Statistikamt Eurostat. Athen drückte demnach die Neuverschuldung 2014 auf 3,5 Prozent der Wirtschaftsleistung nach 12,3 Prozent zuvor. Die EU-Kommission hatte ursprünglich einen noch besseren Wert von 2,5 Prozent erwartet. Konsequenzen an der Defizit-Front hat das Krisenland aber zunächst nicht zu befürchten. Denn im laufenden Strafverfahren hat Athen noch bis 2016 Zeit, die Maastrichter Defizitmarke von drei Prozent einzuhalten.