Besucher des Holocaust-Museums in Kalavryta ©Petros Giannakouris/dpa

Der stellvertretende griechische Finanzminister Dimitris Mardas hat die Reparationsforderungen Griechenlands für die Zeit des Nationalsozialismus auf 278,7 Milliarden Euro beziffert. Diese Summe habe nach einer ersten Auswertung ein Parlamentsausschuss errechnet, sagte Mardas im griechischen Parlament. Zum Vergleich: Im Bundeshaushalt für 2015 sind Ausgaben in Höhe von 299,1 Milliarden Euro veranschlagt.

Zu den Reparationsforderungen gibt es bereits eine umfangreiche griechische Studie. Auf deren Grundlage prüfen der Parlamentsausschuss und der Oberste Gerichtshof des Landes zurzeit, wie Forderungen an Deutschland erhoben werden können. Dabei geht es um Entschädigungszahlungen und die Erstattung eines Zwangskredits, den die Nationalsozialisten von der griechischen Notenbank erhalten hatten. Die Ansprüche werden darin zwischen 269 und 332 Milliarden Euro beziffert. Die Bundesregierung sieht die Entschädigungsfrage dagegen als erledigt an.

Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hatte im März im Parlament gesagt, mit der Bildung des Ausschusses würde man alle Opfer des Zweiten Weltkrieges ehren. Griechenland vergesse nicht, dass das deutsche Volk auch unter den Nazis gelitten habe.

Sparpolitik soll überprüft werden

Ungeachtet des internationalen Drucks will der griechische Ministerpräsident außerdem die Sparpolitik seines Landes in den vergangenen Jahren weiter prüfen. Hinsichtlich der Sparpläne der vergangenen fünf Jahre würden sich immense Fragen stellen, sagte Tsipras im Parlament. Die Griechen müssten erfahren, wie das Land Maßnahmen akzeptieren konnte, die die Schulden von 124 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 175 Prozent steigen ließen. 

Die Einsetzung der Prüfkommission gehörte zu den Wahlversprechen von Tsipras' Partei Syriza. Das Gremium besteht aus Wissenschaftlern und Juristen. Sie sollen auch die Frage klären, ob die Vorgängerregierungen unangemessen oder gar rechtswidrig handelten. "Wir werden bald beweisen, dass Griechenland ein unabhängiges und respektables Land ist", sagte Tsipras.

USA setzen Griechenland unter Druck

Unterdessen drängt die US-Regierung Griechenland zu einer besseren Zusammenarbeit mit seinen Gläubigern. Die Führung in Athen müsse die Verhandlungen mit den Geldgebern ernsthaft führen und sich ihnen voll verpflichten, erklärte ein Regierungsmitarbeiter. Diese Botschaft habe auch der Staatssekretär für internationale Beziehungen im US-Finanzministerium, Nathan Sheets, bei einem Treffen mit dem griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis überbracht.

Varoufakis hatte in Washington zugesagt, sein Land werde alle im Gegenzug für gewährte Finanzhilfen eingegangenen Verpflichtungen erfüllen. Nach einem Treffen mit IWF-Chefin Christine Lagarde versicherte er zudem, Griechenland sei zu weitreichenden Reformen bereit.

Derzeit ringen Gläubiger und die neue Regierung in Athen um die Auszahlung der letzten Kreditrate des auslaufenden Hilfsprogramms in Höhe von 7,2 Milliarden Euro. Die Geldgeber haben die Vorlage eines tragfähigen Reformkonzepts zur Voraussetzung für die Zahlung erklärt. Griechenland könnte bereits in wenigen Tagen zahlungsunfähig sein, sollte es keine weiteren Finanzhilfen erhalten.