Der neue Angstgegner der US-Pharmaindustrie heißt Kyle Bass. Er verfügt über mehr als zwei Milliarden US-Dollar und gilt als besonders aggressiv. Der Gründer des Hedgefonds Hayman Capital Management führt die "Koalition für bezahlbare Medikamente" an, zu der er sich mit einem Patentanwalt und Generikaherstellern zusammengeschlossen hat.

Der Vorwurf: Einige Pharmaunternehmen patentierten vermeintliche Innovationen, um den abgelaufenen Patentschutz zu verlängern – und damit günstigere Medikamentenpreise zu verhindern. Bass hat das US-Patentamt aufgefordert, mehrere solcher Patente zu überprüfen und aufzulösen. "Das wird den Missbrauch, den die US-Pharmaindustrie betreibt, ans Licht bringen", kündigte Bass an. Zu den Angriffszielen der Koalition zählten bislang die Firmen Acorda, Shire  und Jazz Pharmaceuticals.

Therapien und Medikamente sind in den USA teuer, zu teuer für viele Patienten. "Gesundheitsausgaben sind einer der Hauptgründe für Privatinsolvenzen in den USA", sagt Peter Maybarduk von der Nichtregierungsorganisation Public Citizen. Der Leiter der "Global Access to Medicines"-Kampagne fordert mehr günstigere Generika, um die medizinische Versorgung von Geringverdienern zu verbessern. Das Problem: Mithilfe von Scheininnovationen würden die Pharmakonzerne den normalerweise 20 Jahre laufenden Patentschutz für Originalprodukte künstlich verlängern, sagt Maybarduk. Er stimmt mit Bass überein: "Hier wird das Patentsystem missbraucht."

Doch so wohltätig Bass' Ziel klingen mag, uneigennützig ist es nicht. Sein Hedgefonds wettet gegen die Aktien der betroffenen Firmen. Gleichzeitig investiert er in die Papiere von Generikafirmen, die ohne den Patentschutz ihrer Konkurrenten günstigere Nachahmerprodukte verkaufen dürfen, berichtet das Wall Street Journal aus internen Kreisen. Auch private Anleger können in seinen Fonds investieren. Mindestanlage: eine Millionen Dollar. Von den Gewinnen behält Bass' Firma 20 Prozent.

Bekanntes Gesicht mit neuer Strategie

Finanzaktivist Bass, dessen Hedgefonds im texanischen Dallas sitzt, hat sich in der Finanzkrise einen Namen gemacht. Schon vor deren Ausbruch im Jahr 2008 wettete er gegen Subprime-Hauskredite und machte mehrere Hundert Millionen US-Dollar Gewinn. Zuletzt hatte Hayman Capital jedoch mit seinen Investitionen weniger Glück. Bass' Spekulation auf eine langfristige Insolvenz Japans trat bislang nicht ein. Auch erholte sich der US-Autohersteller General Motors nicht so rasch, wie Bass gewettet hatte.

Mit seiner "Koalition für bezahlbare Medikamente" sorgt er jedoch derzeit wieder für Aufruhr in den USA. Für zwei Patente des Medikamentenherstellers Acorda wurde beim US-Patentamt bereits eine Auflösung beantragt. Beide sind Teil des Multiple-Sklerose-Medikaments Ampyra, mit dem die Firma rund 90 Prozent ihres Umsatzes macht. Ohne den Patentschutz drohen dem Unternehmen drastische Umsatzeinbußen. Allein die Nachricht von Bass' Antrag bei der Behörde ließ die Aktie deutlich einbrechen.

Angriff der Patent-Trolle

Bass macht sich ein Gesetz zunutze, das eigentlich für den Technologiesektor gedacht war. Seit 2012 können Patente direkt vom US-Patentamt geprüft werden. Das neue Verfahren, Inter Partes Review genannt, ist günstiger und schneller als die bis dahin üblichen Prozesse vor einem Bundesgericht. Der US-Kongress wollte Technologie-Start-ups so vor Patent-Trollen schützen. Diese lassen sich vermeintliche Innovationen patentieren und verklagen anschließend Start-ups wegen Patentrechtsverletzungen – bis sich diese in Form von Lizenzgebühren freikaufen.