Alexis Tsipras © Reuters

Die griechische Regierung hat am Donnerstag eine weitere Tranche an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgezahlt. Diesmal waren es nur 450 Millionen Euro, verglichen mit den 1,5 Milliarden Euro, die Ende März fällig waren. Trotzdem wurde tagelang darüber spekuliert, ob Griechenland die Zahlung leisten kann.

Jedes Mal, wenn Griechenland am Ende das Geld überweist, ist es die Erleichterung groß, wurde doch eine Insolvenz des Landes vermieden. Gleichzeitig steigt mit jeder gezahlten Tranche die Angst, dass der südeuropäische Staat einer Pleite wieder ein Stück nähergerückt ist.

Griechenland hat seit August vergangenen Jahres kein Rettungsgeld mehr von seinen Gläubigern erhalten und ist trotzdem all seinen Verpflichtungen nachgekommen. Weil sich die Regierung mit den europäischen Partnern bisher nicht auf Reformen einigen konnte, die weitere Hilfen zugelassen hätten, kratzt sie mittlerweile jeden Euro zusammen, um die fälligen Kredite zu begleichen.  

Ende Februar überwies die griechische Zentralbank aus Gewinnen des vergangenen Jahres 641 Millionen Euro, 556 Millionen kamen vom Fonds zur Stabilisierung des griechischen Bankensektors. Darüber hinaus hat die Regierung verschiedene staatliche Institutionen angezapft. Am Mittwoch hat Griechenland zudem kurzfristig laufende Staatsanleihen, so genannte T-Bills, in Höhe von 1,13 Milliarden Euro ausgegeben. Der Zins für die nur sechs Monate laufenden Papiere betrug 2,97 Prozent. Er war damit so hoch wie in keinem anderen Land der Euro-Zone. Es ist davon auszugehen, dass die T-Bills vor allem von Griechen und der griechischen Zentralbank gekauft wurden. Damit wurde der griechischen Wirtschaft erneut Geld entzogen.

Und das ist einer der Knackpunkte: In der Debatte, ob Griechenland fällige Kredite auch pünktlich bezahlen kann, gerät aus dem Blickfeld, dass die anhaltenden Unsicherheit einen verheerenden Effekt auf die griechische Wirtschaft hat. Um beispielsweise die Gehälter der öffentlichen Angestellten und die Renten zahlen zu können, wurden Rechnungen für Zulieferer zurückgestellt. Allein in den ersten beiden Monaten des Jahres hat die Regierung 591 Millionen Euro weniger ausgegeben als geplant. Im April sollen Medienberichten zufolge 700 Millionen Euro zurückgehalten werden, um den IWF auszahlen zu können.

Griechische Wirtschaft rutscht wieder in eine Rezession

Dies trifft die ohnehin wackelige griechische Wirtschaft hart. Hinzu kommt, dass zwischen Dezember und Ende Februar 25 Milliarden Euro an Einlagen bei griechischen Banken abgezogen worden sind. Das entspricht 15 Prozent des gesamten Volumens.

Mit der vorläufigen Einigung zwischen Griechenland und der Euro-Gruppe am 20. Februar hat dieser Abfluss etwas nachgelassen. Aber klar ist: Das griechische Bankensystem, dessen Einlagen mittlerweile auf weniger als 140 Milliarden Euro geschrumpft sind, ist in einem prekären Zustand. Ein auch nur kleiner externer Schock könnte zu einem Zusammenbruch führen.

Die griechische Wirtschaft befindet sich unterdessen wieder auf dem Weg in eine Rezession: Im vierten Quartal 2014 schrumpfte die Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent. Zum Vergleich: In den ersten drei Quartalen wuchs das Bruttoinlandsprodukt noch um 0,7 Prozent. Die negative Entwicklung hat sich aller Wahrscheinlichkeit nach in den ersten drei Monaten dieses Jahres fortgesetzt und wird wohl auch danach weitergehen, obwohl es dem wichtigsten Wirtschaftszweig – dem Tourismus – gerade ganz gut geht.

Die Exporte sind zurückgegangen, die Industrieproduktion ist stark gesunken. Gleichzeitig ist auch die Arbeitslosigkeit wieder gestiegen. Die Banken klagen, dass die Zahl der faulen Kredite wieder zunimmt. Egal, wo man hinschaut: Die griechische Wirtschaft wird gerade stranguliert.