Die Erderwärmung bedroht die Sicherheit im 21. Jahrhundert weltweit. Das steht in einer noch nicht veröffentlichten Studie, die von den Außenministern der G-7-Staaten in Auftrag gegeben wurde. Die Bedrohung sei nicht mehr abzuwenden, das Unheil werde sogar unabhängig vom Ausgang der für Ende des Jahres anberaumten Weltklimakonferenz in Paris "erhebliche Wirkungen auf die Stabilität und Verletzbarkeit von Staaten und Gesellschaften haben", heißt es in dem Entwurf des Papiers, das ZEIT ONLINE vorliegt. Selbst "scheinbar stabile Staaten" seien gefährdet, die vom Klimawandel verursachten Sicherheitsrisiken bedrohten "mehr Staaten als nur jene, die ohnehin als fragil gelten".

Unter Vorsitz von Deutschlands Außenamtschef Frank-Walter Steinmeier tagen die Außenminister der G-7-Staaten ab dem heutigen Dienstag in Lübeck. Dort wollen sie die vom Wilson Center (Washington), vom Berliner Thinktank adelphi und von zwei weiteren Organisationen angefertigte Studie präsentieren.

Die Autoren nennen acht "Risikobündel", die aus der Erderwärmung eine Sicherheitsbedrohung werden lassen. Dazu gehören unter anderem der Zugang zu Wasser und fruchtbarem Land, die Häufung von Wetterextremen und der steigende Meeresspiegel, der nicht nur den Verlust von Lebensraum mit sich bringe, sondern auch Grenzverläufe verschiebe. Krieg um Wasser habe es bisher zwar nicht oft gegeben, doch werde in Zukunft wahrscheinlich der Wettbewerb um Wasser wachsen, heißt es in der Studie. Der Kampf um Rohstoffe könne zu Gewalt, gar zu Bürgerkriegen führen, so die Expertise.

Dass der Klimawandel Krieg und Gewalt begünstige, zeige das Beispiel des afrikanischen Staates Mali. Dort hätten verschiedene Dürreperioden die Wasservorkommen ausgetrocknet, den Viehbestand vernichtet und einen Massenexodus der jungen Bevölkerung verursacht. Die Gemengelage aus ökonomischem Niedergang, schwacher Regierung, Terrorismus und Kriminalität habe zu verschiedenen Rebellionen geführt, einschließlich jener von 2012, bei der sich Tuareg-Rebellen mit Al-Kaida-Gruppen verbündeten, was schließlich zu einer internationalen Militärintervention geführt habe.

Keine schnelle Abhilfe

Als besonders gefährlich könnten sich die Folgen des Klimawandels in der Arktis erweisen. Zwar verbesserten sich dadurch die Möglichkeiten der Rohstoffausbeutung, doch gleichzeitig könne die Arktis selbst "Schauplatz internationaler Konflikte über die Kontrolle von Schifffahrtsrouten und den Zugang zu Rohstoffen" werden. Selbst gut gemeinte Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel und zur Bekämpfung der Erderwärmung könnten das Sicherheitsrisiko erhöhen – wenn sie nicht wirklich durchdacht seien, wie beispielsweise Geoengineering-Projekte.

Schnelle Abhilfe für die durch den Klimawandel hervorgerufenen Sicherheitsrisiken gibt es laut der Expertise nicht. Die Gutachter empfehlen eine "neue globale Allianz", in der unter anderem bereits bestehende Initiativen aus den Feldern der Diplomatie, der Entwicklungszusammenarbeit und der Verteidigungspolitik zusammengeführt werden sollten. Diese Allianz müsse unzählige Akteure vereinen, inklusive Regierungen der verletzbaren Staaten und nicht staatliche Akteure.