Die Anwälte von Thomas Middelhoff werfen der JVA Essen vor, an einer schweren Erkrankung ihres Mandanten schuld zu sein. Sie wollen seine vorzeitige Freilassung erreichen. Aufgrund unhaltbarer Haftbedingungen wie permanentem Schlafentzug sei der ehemalige Arcandor-Manager "sehr krank", heißt es in einer Haftbeschwerde, aus der die Welt am Sonntag zitiert. Solche Zustände erinnerten an die Foltermethoden im Gefangenenlager Guantánamo, kritisierten die Anwälte Middelhoffs, der seit Mitte November inhaftiert ist.

Während der ersten vier Wochen in der Essener Justizvollzugsanstalt habe der 61-Jährige unter permanenter Kontrolle gestanden, schreiben die Verteidiger; das Licht in seiner Zelle sei meistens eingeschaltet gewesen, wodurch Schlaf unmöglich gewesen sei. Man habe Middelhoff zudem über einen Zeitraum von 672 Stunden alle 15 Minuten geweckt – Tag und Nacht. Der Grund für diese Maßnahme sei die angebliche Suizidgefahr gewesen.

Das Oberlandesgericht Hamm hatte am 17. März über die Haftbeschwerde entschieden und sie als unbegründet verworfen, "da alle Umstände für eine erhebliche Fluchtgefahr sprechen". Unbestritten sei der schlechte Gesundheitszustand des Inhaftierten, so das Gericht, doch ob dies wirklich am verordneten Schlafentzug liege, sei noch unklar. Der schlechte Gesundheitszustand Middelhoffs wird demnach voraussichtlich nicht für seine Entlassung aus der Haft sorgen.

Middelhoff leide an massiven Störungen seines Immunsystems, teilten die Anwälte in ihrer Haftbeschwerde mit.

JVA-Chef befürchtet Bilanz-Selbstmord

Der Leiter der JVA Essen, Alfred Doliwa, verteidigte in der Bild am Sonntag die permanente Aufsicht über Middelhoff: "Wenn jemand alles zu verlieren droht, ist das der typische Fall eines Bilanz-Selbstmordes." Deshalb habe er die Kontrolle rund um die Uhr angeordnet. Die Zeitung zitiert hingegen auch einen Arzt der JVA, der festgestellt hatte, dass "keine Suizidgefahr, keine Anhaltspunkte für ein depressives und suizidales Syndrom" bestanden" hätten.

Middelhoff hatte am 31. März einen Antrag auf Privatinsolvenz gestellt. Daraus geht hervor, dass sich der frühere Arcandor-Chef mit den Forderungen von "mindestens 50 Gläubigern" konfrontiert sehe. Middelhoff war am 14. November vom Essener Landgericht wegen Untreue und Steuerhinterziehung zu drei Jahren Haft verurteilt. Er war noch im Gerichtssaal verhaftet worden. Der Bundesgerichtshof wird wohl erst in einigen Monaten über seine Revision entscheiden.