Gazprom-Chef Alexej Miller © Reuters

Obwohl Alexej Miller kein Vertreter der russischen Regierung ist, schwingt immer der Hauch eines Ministerbesuchs mit, wenn er ins Ausland reist. Denn der Gazprom-Konzern, dem Miller vorsteht, kombiniert das Geldverdienen mit der Durchsetzung russischer Interessen weltweit. In den 2000er Jahren noch dementierten Moskauer Offizielle bemüht, dass Gazprom, ähnlich einer Filiale des Außenministeriums, auch im Staatsauftrag strategische Aufgaben zu erfüllen habe. Mittlerweile gilt das als Moskauer Allgemeingut.

Eine Spezialmission hat Miller am Dienstag nach Athen geführt: Mit der griechischen Regierung soll er über Griechenlands Teilnahme an der geplanten Schwarzmeer-Gaspipeline Turkish Stream verhandeln. Miller trifft deshalb auch mit Premierminister Alexis Tsipras zusammen. Gazprom will von 2017 an Gas in die Türkei liefern, nachdem die früher geplante Route South Stream nach Bulgarien in russischer Interpretation am Widerstand der EU-Bürokraten und an einer amerikanischen Intervention in Sofia gescheitert ist.

Die Verlängerung der geplanten Türkei-Pipeline durch Griechenland hindurch bis zur Grenze mit Mazedonien läge im beiderseitigen Interesse. Die Athener Regierung hofft auf Einnahmen als Transitland, und Russland möchte eine Alternativroute nach Europa zur Pipeline durch die Ukraine schaffen. Die EU setzt allerdings weiterhin auf den ukrainischen Transit. Gazproms Botschaft dazu lautet: Hier habt ihr bald euer Gas – holt es euch gefälligst selbst an der griechisch-mazedonischen Grenze ab.

Wie viel zahlt Russland?


Griechenland geht es derzeit aber vor allem um schnelles Geld. Die bis zu fünf Milliarden Euro, die Russland angeblich als Vorauszahlung leisten könnte, wären eine kurzfristige Rettung des Landes vor dem Bankrott. Denn die Verhandlungen mit den europäischen Geldgebern gerieten zuletzt ins Stocken, weil beide Seiten weiter über einen Reformplan für Griechenland streiten. Bereits am vergangenen Samstag streuten Vertreter der griechischen Regierungspartei Syriza die Nachricht über eine bevorstehende Einigung mit Gazprom. Sie wollten die EU vor dem Gipfel der Finanzminister am Freitag, auf dem über neue Kredite an Griechenland beraten werden soll, aber auch die russische Seite unter Druck setzen. Ob die griechischen Informanten nur bluffen, bleibt noch offen.

Denn in der Moskauer Regierung stieß das alles nicht auf Wohlgefallen. Aus ökonomischer Sicht ist sind die Milliarden für Athen riskant und sinnlos. Schon jetzt fällt es der russischen Regierung immer schwerer, die Löcher im Haushalt aufzufüllen. Die Reservefonds, die im vergangenen Jahrzehnt für Krisenzeiten angelegt wurden, könnten bei einer ungünstigen Wirtschaftsentwicklung schon im nächsten Jahr aufgebraucht sein. Russland muss also sparen und seine Ausgabenstruktur verändern. Aber das fällt nach Jahren des Geldausgebens und der sozialen Versprechungen von Präsident Wladimir Putin schwer.

Zumal sich die Liste der Staatsunternehmen und Privatfirmen füllt, die um Finanzhilfe durch die Regierung ersuchen. Gazproms Konkurrent Rosneft hat gerade in einem Brief an die Regierung seine Forderungen untermauert. Der Konzern kündigte an, die Erschließung neuer Ölförderstellen im hohen Norden zu verschieben. Eine geringere Jahresproduktion werde die Folge sein. Das klingt bedrohlich und fast erpresserisch für den Finanzminister, der etwa die Hälfte seines Haushalts den Einnahmen aus Rohstoffexporten verdankt. Um seine Investitionspläne termingerecht umzusetzen, bittet Rosneft den Staat um eine Kapitalhilfe von 23 Milliarden Euro.