Wladimir Putin © Reuters

In Russland mehren sich derzeit die positiven Nachrichten. Eine davon kommt aus der Gastronomiebranche: Nach umsatzschwachen Monaten gehen die Russen nun wieder mehr auswärts essen, berichtete der zuständige Hotel- und Gaststättenverband. Er sieht deshalb bereits das Ende der Krise gekommen.

Der russischen Regierung kommen solche Meldungen gerade recht. Für den Kreml ist klar: Das Land überwindet seine wirtschaftlichen Probleme – abzulesen auch am sich erholenden Rubelkurs. "Das Schlimmste ist vorbei", sagt Finanzminister Anton Siluanow. Der Tiefpunkt sei überwunden und die Regierung nehme Signale einer Stabilisierung wahr. Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew rechnet für dieses Jahr zwar mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von maximal drei Prozent. Aber im kommenden Jahr soll es wieder ein Plus von zwei Prozent geben.

Doch stimmt die Botschaft vom baldigen Aufschwung? Vielen Wirtschaftsexperten sind solche Vorhersagen eindeutig zu positiv. Zwar hat der Rubel besonders in den vergangenen Tagen stark zugelegt und einen ansehnlichen Teil der Verluste nach dem dramatischen Absturz Mitte Dezember zurückerkämpft. Russische Analysten warnen jedoch vor einer hohen Volatilität der Währung und gehen davon aus, dass der Rubel bald wieder an Wert verlieren könnte. Denn die großen Probleme der russischen Wirtschaft sind ungelöst: Es fehlt an Investitionen, Russland hängt zu stark von seinen Öl- und Gasexporten ab, es mangelt an strukturellen Reformen im Land.

Rezession könnte sich 2016 fortsetzen

"Es ist viel zu früh, anzunehmen, das Schlimmste sei bereits vorüber", sagt Analyst Chris Weafer von Macro Advisory, einer der profiliertesten Kenner der russischen Wirtschaft. Er gehört auch zu jenen, die einen erneuten Verfall des Rubels prognostizieren. Die Maßnahmen der Zentralbank, um die Währung zu stabilisieren, hätten nur einen begrenzten Erfolg, bald werde der Ölpreis wieder der entscheidende Treiber sein. Das erste Quartal sei wie eine Verschnaufpause für den Kreml gewesen, sagt Weafer. Aber das Jahr sei noch lange nicht vorbei.

Ähnlich sieht das die Weltbank. Sie geht davon aus, dass die russische Wirtschaft im laufenden Jahr um 3,8 Prozent schrumpfen wird. Auch im kommenden Jahr soll das Schrumpfen weitergehen – um 0,3 Prozent. Die Folgen der Krise spüren vor allem die Bürger. In den ersten beiden Monaten des Jahres sanken die Reallöhne um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Inflation schnellte auf knapp 17 Prozent.

Die Sanktionen belasten die Wirtschaft stark: Die russischen Banken sind von den westlichen Kapitalmärkten abgeschnitten. Die Regierung in Moskau muss viel Geld aufwenden, um Unternehmen mit wirtschaftlichen Problemen finanziell zu unterstützen. Und es sieht derzeit nicht so aus, als ob die Sanktionen des Westens schnell wieder aufgehoben werden würden. Am Dienstag kommen die Außenminister der großen westlichen Industrienationen (G 7) in Lübeck zusammen, um unter anderem über den Ukraine-Konflikt zu beraten.