Die Lokführergewerkschaft GDL hat ihren Streik bei der Deutschen Bahn auf Personenzüge ausgeweitet. Seit zwei Uhr gilt der Streikaufruf auch für die Lokführer von Fern- und Regionalzügen. Damit müssen Millionen Pendler und Reisende auf andere Verkehrsmittel umsteigen oder hoffen, mit einem der Züge mitzukommen, die trotz des Streiks unterwegs sind. 

Die Bahn hat Ersatzfahrpläne aufgestellt, die auf ihrer Website zu finden sind. Am Morgen teilte das Unternehmen mit, im Fernverkehr würden 244 Züge statt der üblichen 805 eingesetzt. Im Regional- und S-Bahnverkehr sollen am Mittwoch und Donnerstag 15 bis 60 Prozent der Züge fahren. Im Osten Deutschlands seien größere Auswirkungen des Streiks zu erwarten als in anderen Regionen, sagte eine Bahnsprecherin.

Private Bahnanbieter sind vom Streik nicht direkt betroffen – ihre Züge fahren. Allerdings kann es durch den Ausstand bei der Deutschen Bahn auch hier zu Behinderungen etwa durch blockierte Gleise kommen.

In Berlin und Hamburg fuhr die S-Bahn auf den meisten Linien im 20-Minuten-Takt. Die S-Bahnen in München und Nürnberg sollten im Stundentakt fahren. An den Hauptbahnhöfen in Köln und Essen fielen rund 70 Prozent der S-Bahnen und Regionalzüge aus. Im Ballungsraum Rhein-Main-Gebiet versuchte die Bahn nach eigenen Angaben, "mindestens die Hälfte der Verbindungen anzubieten".

An vielen Bahnhöfen zeigten sich Fahrgäste irritiert, dass gestrichene Züge nicht auf den Anzeigetafeln auftauchten – anders als im Internet. An den Infoständen der Bahn bildeten sich vielerorts Schlangen.

Bahnstreik soll 43 Stunden dauern

Der Streik im Personenverkehr soll insgesamt 43 Stunden dauern und am Donnerstagabend zu Ende gehen. Der Güterverkehr wird seit Dienstagnachmittag und noch bis Freitagmorgen bestreikt. Hintergrund des Arbeitskampfs ist ein seit zehn Monaten andauernder Tarifkonflikt zwischen der Deutschen Bahn und der GDL. Es ist der bereits siebte Streik der Lokführer.

Die Bahn hatte ihre Kunden zum Auftakt der siebten Streikrunde auf erhebliche Beeinträchtigungen eingestellt. Hauptstreitpunkt in dem Konflikt ist die Forderung der GDL, nicht nur für die Lokführer, sondern auch für Zugbegleiter und Rangierführer eigene Tarifverträge abschließen zu wollen.

Die Kosten des aktuellen Streiks für die deutsche Wirtschaft liegen nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) im dreistelligen Millionenbereich, wie die Bild-Zeitung berichtete. "Dauert ein Streik mehrere Tage, kommen leicht über 100 Millionen Euro täglich als Streikkosten auf die Unternehmen zu", sagte DIHK-Chefvolkswirt Alexander Schumann der Zeitung. Insgesamt erhöhten sich die Kosten des Tarifstreits damit auf mehr als 600 Millionen Euro.

GDL-Chef Claus Weselsky gab der Deutschen Bahn erneut die Schuld am Abbruch der Tarifverhandlungen. "Es ist zwar eine komplizierte Tarifrunde, aber die Verzögerungsstrategie des Bahnvorstandes ist offensichtlich", sagte er in der ARD. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber hatte den Streik der Lokführer zuvor scharf verurteilt. Vorwürfe der GDL, das Management der Bahn habe kein Ergebnis erzielen wollen, wies Weber zurück: "Es existiert ein Papier mit dem Verhandlungsergebnis, mit dem Zwischenergebnis vom Freitag, mit unserer Unterschrift", sagte er. Was fehle, sei die Unterschrift der GDL.

Auch die EVG droht mit Streiks

Auch die mit den Lokführern konkurrierende Eisenbahngewerkschaft EVG droht jetzt mit Streik. Die Bahn müsse bei der nächsten Verhandlungsrunde am Donnerstag ein deutlich verbessertes Angebot vorlegen, erklärte EVG-Verhandlungsführerin Regina Rusch-Ziemba. Die Mitglieder der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) seien bereit, für ihre Forderungen einzutreten. "Und das bedeutet am Ende Streik."

Die EVG will für ihre Mitglieder sechs Prozent mehr Lohn, mindestens aber eine Steigerung der Gehälter um 150 Euro. Die Bahn führt getrennte Tarifverhandlungen mit der EVG und der Lokführergewerkschaft GDL.