Das orkanartige Wetter der vergangenen Tage hat zu ungewöhnlich starken Eingriffen der Netzbetreiber in Deutschland geführt. Von Montag bis Mittwoch sei dadurch ein "unterer bis mittlerer zweistelliger Millionenbetrag" an Kosten verursacht worden. Das teilten die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber Tennet, 50Hertz, Amprion und TransnetBW mit. Diese Kosten werden bundesweit auf die Strompreise umgelegt.

Den Angaben zufolge wurden insgesamt 20.300 Megawatt an Netzreserven (6.700 Megawatt) und zusätzlichen Kraftwerkskapazitäten (13.600 Megawatt) zur Stabilisierung der Stromversorgung in Süddeutschland eingesetzt. Zudem seien Hunderte Windräder mit 2.300 Megawatt Leistung zwangsweise abgeschaltet worden.

Am Montag wurde wegen des starken Windes und einer parallel hohen Solareinspeisung auch ein neuer Ökostromrekord erzielt. Nach Auswertung aller Daten ermittelte das Institut Agora Energiewende für 14.15 Uhr eine Wind- und Solareinspeisung von rund 44.000 Megawatt, was der Leistung von 31 Atomkraftwerken entspricht.

Netzreserven und das Anfordern zusätzlicher Kraftwerksleistung werden notwendig, damit das Netz bundesweit im Gleichgewicht bleibt. Gerade wenn im Norden und Osten viel Windstrom entsteht, kann das so sein. Die Netzbetreiber werten die kritischen Situationen der letzten Tage als weiteren Beleg für die dringende Notwendigkeit von neuen großen Nord-Süd-"Stromautobahnen", gegen die sich vor allem Bayern sträubt. Bis zum Sommer will die Bundesregierung hier eine Einigung erzielen.

Mit den "Stromautobahnen" könnte bei starkem Wind mehr Strom in den Süden transportiert werden, zum Ausgleich des Netzes. Dann müssten im Osten und Norden nicht mehr so viele Windräder abgeschaltet werden. Betreiber bekommen in solchen Fälle eine Entschädigung, auch das verursacht Kosten. Allein am Montag gab es eine Einspeisung von bis zu 29.950 Megawatt Windenergie, am Dienstag von 29.130 Megawatt und am Mittwoch von bis zu 27.700 Megawatt.

Ökostrom-Umlage könnte zu hoch angesetzt worden sein

Derweil ist die von allen Verbrauchern zu zahlende Ökostrom-Umlage für dieses Jahr womöglich zu hoch angesetzt worden. Wie der im Internet einsehbare Kontostand zeigt, lag das Konto bis März mit 4,19 Milliarden Euro im Plus. Die Umlage, die Teil des Strompreises ist, war für 2015 erstmals leicht auf 6,17 Cent je Kilowattstunde gesenkt worden. Offensichtlich wäre mehr möglich gewesen. Ein Grund für das Plus ist auch, dass es bereits einen positiven Kontostand Ende 2014 von 2,85 Milliarden Euro gab und die Einnahmen im Januar und Februar die Ausgaben überstiegen.

"Wesentliche Gründe für den Überschuss auf dem EEG-Konto zu Ende Dezember waren ein deutlich geringeres Volumen an Leistungszubau bei Photovoltaik und wetterbedingt geringere Einspeisungen aus Wind und Sonne als im üblichen Jahresdurchschnitt", teilten die für die Verwaltung des Kontos zuständigen vier Netzbetreiber mit.