Baustelle in Madrid, Spanien © Sergio Perez/Reuters

Die Eurozone muss sich nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) längerfristig auf ein schwaches Wirtschaftswachstum einstellen. Zwar habe sich die Konjunktur in der Region zuletzt erholt, aber für die Zukunft gebe es derzeit kaum Aussichten auf eine weitere Verbesserung, heißt es in der aktuellen IWF-Prognose für die Weltwirtschaft, die in Washington veröffentlicht wurde.

Auf kurze Sicht erhöhte der IWF allerdings seine Prognose für die Eurozone. Für dieses Jahr erwartet der Währungsfonds ein Wachstum von 1,5 Prozent, im kommenden Jahr sollen es 1,6 Prozent sein. 2014 hatte die Wirtschaft lediglich um 0,9 Prozent zugelegt, im Jahr zuvor war der Währungsraum noch in der Rezession. Auch für Deutschland verbesserte sich die Prognose auf 1,6 Prozent in diesem Jahr und 1,7 Prozent im kommenden. Die Werte sind 0,3 und 0,2 Prozentpunkte höher als in der Januar-Schätzung.

Wie andere wichtige Wirtschaftsräume habe auch die Eurozone überraschend stark von dem niedrigen Ölpreis profitiert, erklärte der IWF. Die Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank hätten ebenfalls einen positiven Effekt. Ein deutlich verteuerter Dollar habe zudem der Exportwirtschaft geholfen. Produkte aus dem Euroraum werden dadurch auf wichtigen Märkten wie den USA billiger. Das erhöht die Absatzchancen.

IWF prognostiziert Erholung des Arbeitsmarkts

Selbst Euroländer wie Griechenland, Spanien, Frankreich und Italien verzeichnen laut dem IWF 2015 und 2016 ein ansehnliches Plus beim Bruttoinlandsprodukt. Nahezu überall in der Eurozone werde die Arbeitslosigkeit sinken.

Die längerfristig dennoch gedämpften Wachstumsaussichten begründete der IWF vor allem mit der zurückliegenden Euroschulden-Krise. Viele Eurostaaten und Haushalte kämpften weiter mit hohen Schulden. Investoren seien noch immer pessimistisch und trauten sich nicht, ihr Geld einzusetzen. Auch flössen Kredite weiterhin zu langsam, weil die Banken durch Altlasten in den Bilanzen insgesamt nicht stabil genug seien. Hinzu kämen Unsicherheiten durch Krisen wie in Russland, der Ukraine oder der Schuldenstreit mit Griechenland.

IWF-Chefökonom Olivier Blanchard sagte: "Die Erwartung eines geringeren Wachstumspotenzials schwächt bereits heute Investitionen." IWF-Chefin Christine Lagarde warnte Regierungen bereits vergangene Woche vor einer "komfortablen Untätigkeit": Aktuell müsse die Politik die Nachfrage stärken. Längerfristig seien aber Strukturreformen nötig, um die Wachstumsmöglichkeiten zu erhöhen. Andernfalls drohten hohe Arbeitslosenzahlen und Staatsschulden.

Der Währungsfonds fordert für die langfristige Zukunft unter anderem mehr öffentliche Investitionen, um die Wachstumschancen in Europa zu vergrößern. Dadurch würden neue Arbeitsplätze geschaffen, die Bürger hätten die Chance, mehr zu konsumieren und ihre Schulden zurückzuzahlen und die Inflation würde anziehen.

Weltweit rechnet der IWF in diesem Jahr mit einem Wachstum von 3,5 und 2016 mit 3,8 Prozent. In den beiden Vorjahren lag es bei 3,4 Prozent. Besser als zuletzt stünden die großen Volkswirtschaften da, während die Konjunktur in Entwicklungs- und Schwellenländern etwas nachgelassen habe. Die russische Wirtschaft werde in diesem Jahr um 3,8 Prozent schrumpfen und damit deutlich stärker als erwartet. Brasilien rutsche in die Rezession, sagte der IWF voraus.