Bei einem starken Nachbeben im Himalaya sind mindestens 70 Menschen getötet worden. 52 Tote seien in Nepal gestorben, hieß es vom Innenministerium in Kathmandu. Es gebe zudem mindestens 1.200 Verletzte. Zahlreiche Gebäude – durch das verheerende Beben vor 17 Tagen schon instabil geworden – stürzten ein.  Der einzige internationale Flughafen Nepals wurde erneut vorübergehend stillgelegt.

Im Nachbarland Indien starben nach offiziellen Angaben 17 Menschen. Die meisten davon seien im Bundesland Bihar gestorben, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Neu Delhi. Das indische Militär veröffentlichte Bilder, auf denen zahlreiche Erdrutsche an Berghängen zu sehen sind. In China wurde eine Frau von herabstürzenden Steinen erschlagen.

Das ganze Ausmaß der neuen Katastrophe war zunächst nicht klar: "Wir bekommen noch immer viele Berichte über Opfer und Schäden herein", sagte der Chef der nepalesischen Katastrophenhilfe, Ram Kumar Dangal. Erdrutsche hätten ganze Siedlungen unter sich begraben. "In einigen Dörfern in diesen (am schwersten getroffenen) Gegenden erwarten wir völlige Zerstörung", sagte Laxmi Dhakal vom Innenministerium in Kathmandu.  

Während die Erde mehr als 40 Sekunden lang zitterte, rannten die Menschen panisch nach draußen und versammelten sich in der Mitte der Straßen. Die Telefonverbindungen in Kathmandu waren zunächst völlig überlastet, der Verkehr kam zum Erliegen. Die Menschen begannen erneut damit, Zelte auf öffentlichen Plätzen und in ihren Gärten aufzubauen – dabei hatten sie diese oft erst vor wenigen Tagen abgebaut und waren in ihre Häuser zurückgekehrt.

"Man muss von einer neuen Katastrophe ausgehen", sagte Raphael Marcus von der internationalen Hilfsorganisation humedica. "Wir hatten bereits erste Wiederaufbauprojekte und Maßnahmen diskutiert, jetzt wird es wieder um Katastrophenhilfe gehen."

Das Epizentrum des großen Nachbebens lag nach Angaben des Deutschen Geoforschungszentrums in Potsdam nur wenige Dutzend Kilometer östlich von Kathmandu, nahe der Grenze zu China. Die Erdbebenforscher gaben die Stärke des Bebens mit 7,2 an, die US-amerikanische Geologiebehörde USGS sogar mit 7,3. Im Abstand von wenigen Minuten folgten weitere, schwächere Beben. Eines sei stärker als 6 gewesen und drei stärker als 5, sagte Dhakal. Beim Beben vor zweieinhalb Wochen waren 7,8 gemessen worden.

Nepal liegt auf der Stelle, an der sich die Indische in die Eurasische Platte schiebt. Deshalb kommt es immer wieder zu schweren Erdbeben. Erschütterungen des erneuten Erdbebens waren selbst noch in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi zu spüren. Dort wurde die U-Bahn vorübergehend angehalten.   

Vereinte Nationen drängen auf weitere Hilfen

Bei dem Erdbeben am 25. April wurden mehr als 8.000 Menschen getötet, Hunderttausende verloren ihre Häuser. Millionen Nepalesen leben derzeit in Zelten und sind auf Nahrungsmittellieferungen angewiesen.

Die Vereinten Nationen (UN) erinnerten daran, dass nach dem großen Beben nur 13 Prozent der geforderten Gelder für UN-Hilfsorganisationen eingegangen seien. Es sei mehr nötig, um besser Hilfe leisten zu können, teilte das UN-Büro für Katastrophenhilfe (Ocha) via Twitter mit. Auch die katholische Hilfsorganisation Caritas International rief zu weiteren Spenden auf.

Nach UN-Angaben war etwa ein Viertel der Bevölkerung des armen südasiatischen Landes vom ersten Erdstoß betroffen. In den am stärksten betroffenen Gegenden seien 95 Prozent der Häuser zerstört.