Wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, darf nach drei Monaten hier arbeiten – ganz egal, welchen Status er bis dahin erhalten hat. So steht es seit Oktober 2014 im "Gesetz zur Erleichterung des Arbeitsmarktzugangs für Asylbewerber und geduldete Ausländer". Niemand muss seither mehr monatelang in irgendwelchen engen Notunterkünften herumsitzen, um darauf zu warten, dass die Behörden über seinen Asylantrag entscheiden. Ein echter Fortschritt. Möchte man meinen.

Das Problem: Dem Gesetz nach müsste in jenen drei Monaten geklärt sein, ob und wie lange ein Flüchtling in Deutschland bleiben darf. Tatsächlich dauern die Verfahren im Bundesamt für Migration und Flüchtlingen im Durchschnitt jedoch sieben Monate, wie eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt. Eritreer, von denen sehr viele anerkannt werden, warten sogar rund zehn Monate, Afghanen 16 und Pakistani fast 18 Monate.


Weil außerdem nicht alle Flüchtlinge Kriegsopfer aus Syrien sind, politische Dissidenten aus dem Iran oder knapp dem Tod entronnene Homosexuelle aus Uganda, die ziemlich sicher aufgenommen werden, sondern manche auch vor der Armut Schwarzafrikas flohen oder vor der Perspektivlosigkeit im Kosovo, kann es um ihr Aufenthaltsrecht schnell geschehen sein. Kein großer Anreiz für Unternehmer, Flüchtlinge einzustellen.

Fünf Jahre Sicherheit

Doch das ließe sich leicht ändern, zum Beispiel so: Wer arbeiten will und einen (sozialversicherungspflichtigen) Job findet, darf nach überstandener Probezeit fünf Jahre lang im Land bleiben – egal, wie und wann über den Asylantrag entschieden wird. Unverrückbar bliebe der Grundsatz, wonach Verfolgte Schutz genießen und dafür nichts leisten müssen.

Wenn die Verfahren schon sieben Monate und länger dauern, hätte ein Flüchtling so zumindest Zeit, Arbeit zu suchen. Ihm gäbe das eine Perspektive, die unsichere Zwischenwelt des hilflosen Bittstellers verlassen zu können. Der Arbeitgeber hätte die Sicherheit, dass ihm ein Mitarbeiter, den er angelernt hat, auch länger erhalten bleibt.

Die Regel würde nichts daran ändern, dass weiterhin Menschen auf teils lebensgefährlichen Wegen zu uns kommen. Doch selbst wenn sich Deutschland ein neues Einwanderungsrecht mit Quoten- oder Punkteregeln gibt, wird es Flüchtlinge geben, die aus Not andere Pfade hierher einschlagen. Mit der neuen Arbeitsregel könnten sich viele von ihnen, die oft gut qualifiziert sind und als Fachkräfte ohnehin gebraucht werden, schnell integrieren.

Damit das funktioniert, braucht es allerdings weitere Schritte: Im Ausland erworbene Abschlüsse müssen wesentlich schneller geprüft und anerkannt werden. Und: Die Vorrangregelung muss fallen oder stark gestrafft werden. Nach ihr muss immer erst geprüft werden, ob es für eine freie Stelle nicht auch einen deutsche Bewerber gibt, jemanden aus einem EU-Land oder einen Blue-Card-Besitzer. Nur wenn diese Konkurrenz ausfällt, darf der Job bislang an einen Flüchtling gehen.

Diese Regel blockiert Flüchtlinge und Unternehmen unnötig lange. Außerdem haben deutsche, europäische und Blue-Card-Bewerber ohnehin die besseren Karten: Sie sprechen Deutsch, kennen das System, haben anerkannte Abschlüsse. Der arbeitssuchende Flüchtling nimmt ihnen also nichts weg.

Und wer keinen Job findet? Für den gilt weiterhin das Asylrecht. Wenn er vor Krieg oder politischer Verfolgung flieht, darf er bleiben. Wer aus armen, aber sicheren Verhältnissen stammt, muss das Land verlassen. Oder er wählt gleich einen anderen Weg und beantragt zu Hause ein Visum zur Arbeitssuche. Das ist zwar schwierig – aber wenigstens möglich.