Ministerpräsident Alexis Tsipras konnte sich gegen die Hardliner seiner Partei durchsetzen. Yorgos Karahalis/AP

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras hat sich im Schuldenstreit in einer internen Kraftprobe mit Hardlinern seiner Partei durchgesetzt. Am Sonntag lehnte das Zentralkomitee der Syriza einen Vorschlag des ultralinken Flügels ab, die nächste fällige Rate an den Internationalen Währungsfonds nicht zu zahlen und die Banken des Landes zu verstaatlichen. Eine Absage wurde zudem der Forderung nach einem Referendum über jegliche Einigung mit Brüssel und dem IWF erteilt.

Das Votum fiel jedoch knapp aus: 95 stimmten gegen den Antrag der Hardliner, 75 dafür, es gab eine Enthaltung. 30 andere Mitglieder des 201-köpfigen Zentralkomitees waren zum Zeitpunkt der Abstimmung schon in ihre Heimatregionen zurückgekehrt.

Zugleich hielt das Zentralkomitee in einem Dokument fest, dass die Regierung keinen Deal auf der Grundlage früherer Hilfsprogramme unterzeichnen werde und "Ultimaten der Austeritätsfanatiker" ablehne. Dennoch sei die Partei der Ansicht, dass eine "für beide Seiten vorteilhafte" Einigung möglich sei.         

Die Linksregierung in Athen verhandelt seit Wochen mit der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds über die Freigabe der letzten Tranche von 7,2 Milliarden Euro aus dem laufenden Hilfsprogramm. Die Geldgeber verlangen von Athen weitere Wirtschaftsreformen. Der Zeitdruck wächst. Seit August 2014 hat Griechenland keine Finanzhilfen mehr erhalten, auch die EZB griff den Banken des Landes zuletzt weniger stark unter die Arme.

Erst am Sonntag sagte Innenminister Nikos Voutsis in einem TV-Interview, dass sein Land die im Juni fällige Rückzahlung von 1,6 Milliarden Euro an den IWF nicht leisten könne. Schon am 5. Juni wäre eine Rate von 300 Millionen Euro zu begleichen. Auch dazu sei Athen nicht in der Lage, sagte Nikos Filis, Parlamentsfraktionssprecher von Syriza. 

Zudem schlägt Regierungschef Tsipras in seiner Partei Gegenwind von Kritikern weiterer Sparmaßnahmen entgegen. Ein Wortführer des linken Flügels von Syriza, Panagiotis Lafazanis, sagte, "ein Euro-Austritt wäre keine Katastrophe und die Nichtzahlung der nächsten IWF-Rate kein Terroranschlag." Der Darstellung Tsipras', der Fortschritte bei den Verhandlungen mit den Geldgebern sieht, widersprach er. Griechenland habe noch nie unter solch einer "harschen Erpressung" gestanden, sagte Lafazanis.