Elon Musk, Chef von Tesla Motors and SpaceX © Stephen Lam/Reuters

Es ist ein Samstag im Silicon Valley, als der Journalist Ashlee Vance auf das Werksgelände von Tesla Motors fährt. Er ist dort mit Firmenchef Elon Musk verabredet. Auf dem Parkplatz stehen die Autos von Hunderten von Mitarbeitern, die jungen Ingenieure des Elektroauto-Herstellers verbringen ihr Wochenende in den Büros und Labors, entwerfen dort am Computer Autoteile oder experimentieren mit der Fahrzeugelektronik.

Vance ist beeindruckt, an einem Samstag so viele Leute im Büro zu sehen. Das sagt er Musk sofort. Doch der Boss ist nicht begeistert, sondern sauer. Immer weniger Mitarbeiter kämen am Wochenende zur Arbeit, gerade wollte er schon in einer E-Mail an die Belegschaft darauf hinweisen. "We've grown fucking soft", sagt er ("Wir sind zum Teufel noch mal nachlässig geworden").

Es gibt Chefs, die ihren Mitarbeitern viel abverlangen: Wochenendarbeit, Überstunden, Stress. Und dann gibt es Elon Musk. Es sind Anekdoten wie diese, die Ashlee Vance in der gerade erschienen Biografie (Wie Elon Musk die Welt verändert) gesammelt hat, die Musk als Inbegriff des fordernden Vorgesetzten zeigen. Der Multimilliardär, Unternehmer und Visionär, der mit dem Elektrofahrzeughersteller Tesla Motors und dem Raumfahrtunternehmen SpaceX zwei bahnbrechende Unternehmen führt, spielt nicht nur finanziell in einer eigenen Liga. Auch die Erwartungen, die er an seine Belegschaft stellt, schweben in astronomischen Höhen.

Wer den Ansprüchen nicht genügt, findet keine Gnade

Wer seinen Ansprüchen nicht genügt, darf nicht mit Gnade rechnen. Er ist aufbrausend, wenn seine Leute Fehler machen. Er spuckt dann Kaffee über den Konferenztisch oder droht Mitarbeitern damit, ihnen "die Eier abzuschneiden". Er verlangt nichts weniger als die totale Hingabe zu seinen Unternehmen – und damit zu seinen Visionen. Auch von sich selbst.

100 Stunden arbeitet er pro Woche, heißt es, die Bezeichnung "Workaholic" wäre untertrieben. Hat er ein Ziel vor Augen, wird er zum "Terminator", wie seine erste Ehefrau Justine es nennt. Er lässt sich von nichts aufhalten. Diese Zielstrebigkeit lässt manche zu dem Schluss kommen, Musk sei ein unerträglicher Chef. Vances Biografie zeigt, dass sie es auch war, die Musk von einem unglücklichen Jungen in Südafrika zum Star des Silicon Valley gemacht hat.  

Elon Musk, Jahrgang 71, wuchs in Pretoria im Südafrika der Apartheid auf. Hört man ihn heute darüber reden, waren seine Kindheit und Jugend keine schöne Zeit. "In der Schule wurde ich von Gangs gejagt, die die Scheiße aus mir herausprügeln wollten und wenn ich dann nach Hause kam, war es dort genauso schrecklich. Es war wie Nonstop-Terror", sagte er seinem Biografen.