Europa ist kompetenzstark – und ressourcenschwach. Die EU importiert sechsmal mehr Materialien und natürliche Ressourcen, als sie exportiert. Wir verbrauchen erneuerbare Ressourcen um die Hälfte schneller, als sie ersetzt werden können. Das sind Größenordnungen, die unsere Umwelt übermäßig belasten und die europäische Industrie bedrohen.   

Bis zum Jahr 2035 dürfte die Mittelschicht weltweit um vier Milliarden Menschen zunehmen. Es bedarf nicht allzu viel Fantasie, um zu erkennen, was das für den Verbrauch natürlicher Ressourcen, für Rohstoffpreise, das Abfallaufkommen und Treibhausgasemissionen bedeutet.

Heute landen pro Sekunde 500 Kilo Abfall, zumeist aus Kunststoffen, im Meer. Das entspricht der durchschnittlichen Menge Abfall, die ein europäischer Bürger in einem Jahr produziert. Hier geht es nicht nur um ein Umweltproblem und um enorme Kosten für Wirtschaftszweige wie den Tourismus oder die Fischerei.

Hier geht es vielmehr um reine Verschwendung aus wirtschaftlicher Sicht. Diese Abfälle könnten stattdessen wiederverwendet, recycelt oder als wertvolle Energiequelle eingesetzt werden. Das würde gleichzeitig auch unsere Kohlendioxidemissionen verringern. Abfall ist Geld wert.

Es ist Zeit für einen Kurswechsel. Europa ist bekannt für seine Innovationskraft. Das hat es Europa in den vergangenen 50 Jahren ermöglicht, auf der Weltbühne als führende Wirtschaftsmacht aufzutreten. Heute stehen die europäischen Unternehmen weltweit an der Spitze der "grünen" Wirtschaft. Zusammen bedienen sie ein Drittel des Weltmarktes für umweltfreundliche Technologien. Dieser Weltmarkt weist ein Volumen von einer Billion Euro auf und dürfte sich bis 2020 verdoppeln.

Weg von der linearen Wegwerfgesellschaft

Jetzt ist es an der Zeit, eine europaweite Debatte darüber in Gang zu bringen, wie eine Umstellung auf eine kreislauforientiertere Wirtschaft am besten möglich ist. Wir müssen weg von dem vorherrschenden Modell der linearen Wegwerfgesellschaft, das bislang das wirtschaftliche Denken geprägt hat. Wir müssen zu einem besseren Verständnis eines neuen Modells gelangen, das anstrebt, den Wert aller Ressourcen zu erhalten und zu wahren, anstatt sie einfach zu verbrauchen.

Aus diesem Grund wird die Europäische Kommission vor Ende dieses Jahres ein neues, ehrgeiziges Maßnahmenpaket zur Kreislaufwirtschaft und Abfallpolitik vorlegen. Die Kommission strebt ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Rechtsvorschriften, marktgestützten Instrumenten und anderen sektorspezifischen Maßnahmen an.

Ehrgeizige Recyclingziele

Aufbauend auf ehrgeizige EU-weite Ziele für Recycling und Abfallmanagement werden wir Investitionen kanalisieren, Forschung und Innovation fördern sowie Anreize geben. Für Projekte der Kreislaufwirtschaft und der Energieeffizienz können Fördermittel aus dem neuen Europäischen Fonds für strategische Investitionen (EFSI) beantragt werden, sobald dieser gebilligt ist.