Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis hat einem Bericht zufolge von den Verhandlungen der Eurogruppe in Riga Tonaufzeichnungen angefertigt. "Er sagt, dass er das Treffen aufgenommen hat, aber aus Vertraulichkeitsgründen die Bänder nicht veröffentlichen kann", schreibt die New York Times in einem langen Porträt über Varaoufakis, zitiert den Minister aber nicht direkt mit dieser Aussage.

Der griechische Politiker beschwert sich in dem Text über die Darstellung seiner Person in den europäischen Medien nach dem Treffen der Euro-Finanzminister im April. Dass er innerhalb der griechischen Regierung an den Rand gedrängt worden sei, stimme ebenso wenig wie die Behauptung, er sei von seinem Amtskollegen als Spieler und Amateur bezeichnet worden. "Das ist ein Goebbels-artiger Propaganda-Stil, der die wundervolle Kapazität hat, die Atmosphäre zu verändern", wird Varoufakis zitiert. Der griechische Finanzminister hebt damit auf den NS-Propagandaminister Joseph Goebbels ab.

Die Athener Regierung und die Europartner ringen seit Februar um eine Einigung über das Reformprogramm für Griechenland. Vor Pfingsten wird es nach Einschätzung von Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem aber nicht mehr zu einer Lösung kommen. Auf dem EU-Osteuropa-Gipfel an diesem Donnerstag und Freitag in Riga gehe es um andere Themen.

Athen kündigt neue Banken-Steuer an

Zuvor hatten Diplomatenkreise in Brüssel signalisiert, in Riga könnte der Grundstein für eine Einigung im Streit um neue Finanzhilfen für Griechenland gelegt werden. Angaben aus Brüssel zufolge hat die Regierung in Athen erstmals eine substanzielle Reformliste vorgelegt. So ist eine Banken-Transaktionssteuer im Gespräch, um die Staatskassen zu füllen.

Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge, könnten noch im Juni Finanzhilfen von knapp vier Milliarden Euro von den Euroländern freigegeben werden. Im Gegenzug müsste sich die griechische Regierung verpflichten, das laufende Rettungsprogramm nur teilweise zu erfüllen. Bisher hieß es immer, dass alle Punkte des Programms zu garantieren seien.

Parallel würden die Euroländer mit Griechenland bereits über eine drittes Hilfspaket verhandeln. Bis zum Herbst würde der Regierung in Athen Zeit gegeben, Reformen des Mehrwertsteuersystems, des Arbeitsmarkts und des Rentensystems zu erarbeiten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande hatten angekündigt, auf dem Treffen in Riga würden sie auch den griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras sprechen. Konkreter könnte es auf dem Treffen der G-7-Finanzminister am 27. bis 29. Mai in Dresden werden, erwarten Beobachter.