So eine kleine Frau. Und so große Probleme. Angela Merkel sieht etwas verloren aus am Rednerpult in dem eigens zum G-7-Treffen erbauten Pressesaal. Die Fertigbauhalle, in der die Kanzlerin die Abschluss-Pressekonferenz hält, ist so hoch, dass tatsächlich locker noch zwei Bäume Platz darin finden (die aus Umweltschutzgründen nicht gefällt wurden). Hinter der Bühne schaut man durch eine spektakulär große Fensterwand ins Freie, dort quillt das Sommerlaub am Berghang.

Merkel wirkt ein wenig nervös, atmet mehrmals tief durch. Dann startet sie ihre Tour durch die großen Themen der Weltpolitik: Sanktionen gegen Russland, Terrorismusbekämpfung in Afrika, die Lage der Weltwirtschaft, Regulierung von Schattenbanken. Große Probleme, die eigentlich noch viel mehr Akteure am Tisch verlangen als nur die Vertreter von sieben Industrienationen. Doch es ist genau diese Runde, in der Merkel diese Themen besprochen hat und auch weiter besprechen will: G 7 ist ein kleiner Kreis mit gleicher Denke. Wir sind Demokratien, wir haben die gleichen Werte – das schweißt uns zusammen, so die Logik. Und das sorgt dafür, dass wir bei Themen vorpreschen können.

In einem Politikfeld hat genau dieser Wertekonsens am Morgen zu einem Durchbruch geführt. Die G 7 wollen das fossile Zeitalter beenden, der Club bekennt sich zum Zwei-Grad-Ziel. Nun gut, das Bekenntnis haben bereits im Jahr 2010 alle Staaten der Vereinten Nationen unterschrieben. Aber diesmal betonen die G 7, dass "tiefe Einschnitte bei den weltweiten Treibhausgasemissionen erforderlich sind, einhergehend mit einer Dekarbonisierung der Weltwirtschaft im Laufe des Jahrhunderts", wie es in der Abschlusserklärung heißt.

Lob von Greenpeace

Dekarbonisierung – so abstrakt das Wort auch klingen mag, es wird für die meisten Staaten konkrete harte Einschnitte bedeuten. Dass es um mehr geht als um wohlwollende unverbindliche Aufforderungen, wird im Text des Kommuniqués deutlich. Die G-7-Staaten unterstützen darin "verbindliche Regeln" im Kern eines neuen Klimaschutzabkommens. Und wollen selbst voranpreschen: Alle sieben Regierungen sagen zu, "unseren Teil beizutragen" und die Energiewirtschaft umzubauen. Denn sie wissen: Selbst wenn die G 7 von heute auf morgen kein CO2 mehr ausstoßen würden, würde man das Zwei-Grad-Ziel nicht mehr erreichen.

Klimaschützer sind begeistert. Germanwatch spricht von einem "überraschend starken klimapolitischen Signal". Sogar Dauerkritiker Greenpeace lobt die Kanzlerin und gesteht ausdrücklich ihr und Obama den Erfolg zu: Elmau habe geliefert. So viel Lob von den Nichtregierungsorganisationen ist ungewöhnlich. Sie hatten gerade in den vergangenen Tagen für eine ambitionierte Erklärung lobbyiert.

Und so kürt sich Merkel nun schon zum zweiten Mal zur Klimakanzlerin. Ein G-7-Gipfel in Deutschland ist ohne ihr Topthema Klimaschutz nicht mehr möglich. Schon im Jahr 2007 hatte sie den G-8-Gipfel in Heiligendamm zum Klimaschutzgipfel gemacht. Nun also wieder.

Das Verrückte ist: Die Dekarbonisierung kann ganz schön zäh sein, wie Deutschland gerade erlebt. Die großen Weltprobleme schrumpfen zum mühsamen Kleinklein – davon kann auch die Idylle von Elmau nicht ablenken. Nach einer halben Stunde spricht Merkel vor der versammelten Weltpresse plötzlich über energetische Gebäudesanierung, rot-grüne Landesregierungen und Kapazitätsmärkte, als sie gefragt wird, welche Folgen die Klima-Entscheidung nun für die deutsche Energiewende habe. Es ist ein Vorgeschmack für ihre G-7-Kollegen, was diese in Zeiten der Dekarbonisierung noch alles zu erwarten haben.