Eilig wurde dieser Krisengipfel anberaumt: In der Nacht von Montag auf Dienstag berieten Griechenlands Kreditgeber im Kanzleramt über die Zukunft des Landes. Die Positionen sind klar: Die griechische Regierung müsse ihre Schulden zurückzahlen, sie müsse sparen, sie müsse den Haushalt konsolidieren, fordern die Bundesregierung in Berlin und ihre Partner.

Doch das Bundeskabinett von Kanzlerin Angela Merkel zeigte dabei in den vergangenen Jahren eine zweifelhafte Doppelmoral. Während Finanzminister Wolfgang Schäuble den Griechen Spardruck machte, half das Verteidigungsministerium der Regierung in Athen, für viele Millionen Rüstungsgüter in Deutschland zu ordern und verkaufte ihr selbst ausgediente Kampfpanzer und Haubitzen. Es geht um viele Millionen Euro – Geld, das Griechenland auch für andere Zwecke als die Aufrüstung ausgeben könnte.

Deutsche Panzer und schwere Artillerie standen bei den Griechen in den vergangenen Jahren ganz oben auf der Wunschliste. 2010 erhielt die griechische Armee 223 Panzerhaubitzen vom Typ M109 von der Bundeswehr. Die deutschen Streitkräfte hatten die alten Geschütze aussortiert. Sie verkauften die Waffen für nur zehn Millionen Euro. Die Griechen investierten aber noch große Summen in die Modernisierung der Waffen. Zudem erhielt die Regierung in Athen noch vor der Finanzkrise ausgemusterte Kampfpanzer vom Typ Leopard 1 und 2. Sie bestellte die Kettenfahrzeuge in den Jahren 2000 und 2005 für rund 54 Millionen Euro. Doch auch nachdem bekannt geworden war, dass Griechenland auf eine Staatspleite zusteuert, gingen dessen Waffeneinkäufe mit deutscher Staatshilfe weiter.

Gleich mehrere deutsche Behörden waren in die griechischen Rüstungsimporte aus der Bundesrepublik eingebunden. Während der griechischen Schuldenkrise, die 2010 sichtbar wurde und bis heute andauert, unterstützten deutsche Beamte die Partner in Athen beim Kauf von Rüstungstechnik im Wert von rund 133 Millionen Euro in Deutschland.

In die "Amtshilfe" sind mehrere Behörden eingebunden

Hilfe deutscher Beamter erhielt die Regierung in Athen bis 2010 bei der Anschaffung eines Trainingssimulators für den Leopard 1, ein Deal über neun Millionen Euro, und Werkzeuge, Feuerlöschanlagen sowie Ersatzteile für den Panzer bis 2012 für mehr als 13 Millionen Euro, wie aus eine kleinen Anfrage der Linken hervorgeht. Auch beim Kauf von Sonderwerkzeugen und Prüfmitteln für den Leopard 2, über mehr als 20 Millionen Euro. Aktuell laufen noch zwei weitere deutsche Amtshilfen für die Griechen, die erst 2016 abgeschlossen sein werden: Erneut beschaffen die Partner in Südosteuropa Sonderwerkzeuge für den Leopard 2A4 für 15,5 Millionen. Außerdem kaufen die Griechen 12.250 Stück temperaturunabhängige Hochleistungspanzermunition vom Typ DM63, DM 63A1 und DM12A2, die der deutsche Rüstungskonzern Rheinmetall produziert. 51,5 Millionen Euro gibt Athen dafür aus.

In die "Amtshilfe" sind mehrere Behörden eingebunden. So berieten das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr und die Wehrtechnische Dienststelle 71 die Griechen. Es ging dabei unter anderen um Konstruktion, Montage und Prüfung der bestellten Waffensysteme. Die deutsch-griechische Kooperation in Rüstungsfragen hat eine lange Tradition, sie begann lange bevor die Regierung in Athen in Finanzfragen als Sorgenkind der EU galt. Über Jahre begleiteten deutsche Beamte beispielsweise die Beschaffung von deutschen Unterseebooten durch die Griechen. Sie nahmen an See-Abnahmeprüfungen für U-Boote der Klasse 214 teil – die 2000 bestellt und ab 2004 ausgeliefert wurden. Noch 2011 half die Bundeswehr den Griechen bei der Anschaffung des Lenkflugkörpers IRIS-T für die in Deutschland beschafften U-Boote.