IWF-Chefin Christine Lagarde und EZB-Chef Mario Draghi in Luxemburg © Thierry Monasse/AFP/Getty Images

Im griechischen Schuldenstreit bahnt sich eine dramatische Wendung an. Die Gläubiger Griechenlands wollen das vom Bankrott bedrohte Land mit einem ultimativen Angebot vor der Pleite bewahren. Nach Informationen von ZEIT und ZEIT ONLINE aus mit den Verhandlungen vertrauten Kreisen soll dazu das laufende Rettungsprogramm bis Ende des Jahres verlängert werden. In diesem Programm sind zehn Milliarden Euro übrig, die eigentlich für die Rekapitalisierung der Banken verwendet werden sollten. Dieses Geld soll nun benutzt werden, um die griechischen Verbindlichkeiten bei der Europäischen Zentralbank (EZB) und beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in den kommenden Monaten zu begleichen.

Die EZB beteiligt sich an der Finanzierung, indem sie der griechischen Regierung erlauben will, für zwei Milliarden Euro zusätzliche kurz laufende Staatsanleihen auszugeben. Die griechischen Banken würden diese Anleihen kaufen und bei der EZB als Sicherheit für frisches Geld hinterlegen können. Bislang hatte sich die Notenbank dagegen stets gewehrt.

Dem Vernehmen nach sind sowohl Notenbankchef Mario Draghi als auch die Staatschefs der wichtigen Euroländer in das Projekt eingebunden. Als Gegenleistung wird von Griechenland erwartet, die bei einem Krisentreffen im Kanzleramt vor zwei Wochen vereinbarten Reformauflagen umzusetzen.

Der IWF würde sich an der Finanzierung vorerst nicht mehr beteiligen, weil er die Bedingungen dafür nicht mehr erfüllt sieht – dies dürfte vor allem in Deutschland auf Skepsis stoßen. Im Anschluss an die Verlängerung soll ein drittes Hilfsprogramm verabschiedet werden. Dabei gehe es um einen niedrigen bis mittleren zweistelligen Milliardenbetrag. Der IWF wird sich auch daran nur beteiligen, wenn die Europäer einem Schuldenschnitt für Griechenland zustimmen.