Viel Geld, wenig Wirkung: Griechenland befindet sich auch nach fünf Jahren Krise am Rande einer Staatspleite. © ANGELOS TZORTZINIS/AFP/Getty Images

In den Verhandlungen zwischen Griechenland und seinen Gläubigern zeichnet sich ein Kompromiss über den künftigen Reform- und Sparkurs ab. Kommt es wirklich zu einer Einigung, wäre der Weg frei, die verbliebenen 7,2 Milliarden Euro aus dem zweiten Rettungspaket an Athen auszuzahlen. Aber was ist eigentlich aus den anderen Hilfsgeldern geworden?

Insgesamt hat Griechenland Kredite von mehr als 240 Milliarden Euro erhalten. Doch fünf Jahre nach Beginn der Hilfsaktion ist die Bilanz verheerend. Das Land steht wieder am Abgrund der Pleite. Die Wirtschaft rutschte in die tiefste und längste Rezession der Nachkriegsgeschichte. Die Menschen sind ärmer geworden, eine Million Jobs wurde vernichtet. Und die Schuldenlast ist heute höher denn je. Das wirft die Frage auf: Was haben die Griechen mit den Milliarden gemacht? Die Antwort: Gar nichts. Denn die meisten Hilfsgelder kamen nie in Griechenland an.

Rückblick: Im Frühjahr 2010 verlor Griechenland seinen Zugang zu den Kapitalmärkten. Es verdichteten sich die Hinweise, dass Griechenland fällige Anleihen nicht würde zurückzahlen können. Ende April musste der damalige Premierminister Giorgos Papandreou die EU um Hilfe bitten. Anfang Mai 2010 schnürten die Eurostaaten und der Internationale Währungsfonds (IWF) ein Hilfspaket. Es umfasste 110 Milliarden Euro. Davon entfielen rund 80 Milliarden auf bilaterale Kredite der Eurostaaten und etwa 30 Milliarden auf Darlehen des IWF. Mit den Geldern sollte Griechenland, so die Annahme, in drei Jahren wieder auf die Beine kommen und die Rückkehr an den Kapitalmarkt schaffen. Aber das Land rutschte viel tiefer als erwartet in die Rezession, die Rückkehr an den Markt rückte in weite Ferne.

Viel versucht, wenig erreicht

Zunächst versuchte man, mit einer Verlängerung der Kreditlaufzeiten von fünf auf 15 Jahre und niedrigeren Zinsen Griechenland mehr Luft zu geben. Aber schnell wurde klar: Athen brauchte weitere Kredite. Das im Februar 2012 geschnürte zweite Hilfspaket umfasste 130 Milliarden Euro sowie die bis dahin noch nicht ausgezahlten 35 Milliarden aus dem ersten Paket. Die Kredit-Fälligkeit für beide Pakete wurde erneut um weitere 15 auf 30 Jahre erhöht, die Zinsen weiter abgesenkt und für zehn Jahre gestundet. Bestandteil dieses Pakets war auch ein Schuldenschnitt, mit dem die privaten Gläubiger Griechenlands auf Forderungen von 107 Milliarden Euro verzichteten – der größte private Schuldenerlass aller Zeiten.

Von den zugesagten Hilfskrediten wurden bisher rund 230 Milliarden Euro ausgezahlt. Gemessen an der Wirtschaftskraft Griechenlands ist das sehr viel Geld. Die Summe entspricht etwa dem 1,3-fachen des letztjährigen Bruttoinlandsprodukts (BIP). Doch was haben die Kredite bewirkt? Seit Beginn des "Rettungsprogramms" hat Griechenland rund ein Viertel seiner Wirtschaftskraft eingebüßt – eine Folge der rigorosen Sparauflagen. Die Realeinkommen der privaten Haushalte gingen im Schnitt um ein Drittel zurück. Die Arbeitslosenquote verdreifachte sich von 8,9 auf 27 Prozent. Und trotz des Schuldenschnitts ist der Schuldenberg heute viel höher als zu Beginn des Hilfsprogramms: 2009 beliefen sich die Schulden auf 301 Milliarden Euro, was einer Schuldenquote von 127,1 Prozent des BIP entsprach. Aktuell schuldet Griechenland 312,7 Milliarden Euro. Das sind knapp 175 Prozent des letztjährigen BIP.

Mit dem vermeintlichen Hilfsprogramm wurde Griechenland in einen Teufelskreis getrieben: Viel zu strikte Sparauflagen ließen die Wirtschaft und die Sozialsysteme zusammenbrechen. Zugleich wurden dem Land neue Schulden aufgesattelt. Das von vielen Experten immer wieder geforderte Wachstumsprogramm, das Griechenland befähigen könnte, seine Schulden zurückzuzahlen, gibt es bis heute nicht.