"Im Notfall übernehmen sie eben die Akropolis": US-Hedgefonds rechnen in der Griechenland-Krise nun mit dem Äußersten. © Matt Cardy/Getty Images

Als John Paulson Anfang 2014 mit 137 Millionen Dollar in den griechischen Wasserversorger einstieg, wähnte er sich als sicherer Gewinner. Das staatliche Unternehmen stand kurz vor der Privatisierung, hatte kaum Schulden und der Reformprozess der griechischen Wirtschaft schien vielversprechend; an einen Staatsbankrott glaubte er so wenig wie seine Kollegen. Sein Anteil von zehn Prozent, wettete der 59-jährige New Yorker Hedgefonds-Milliardär, würde sich in kürzester Zeit im Wert vervielfachen. Paulson weiß schließlich, wie man von Krisen profitiert: Kurz vor dem Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes hatte der Fondsmanager in nur einem Jahr mehr als vier Milliarden Dollar umgesetzt.  

Doch dieses Mal scheint sich Manhattans bekanntester Finanzjongleur verhoben zu haben. Der Privatisierungsprozess in Griechenland liegt auf Eis, viel Geld von Regierungsseite bleibt seit Monaten aus. Zudem stehen die Verhandlungen im Schuldenstreit vor dem Aus, die Regierung in Athen stellt sich quer und lehnt die Sparpläne der Geldgeber rigoros ab. Ein Ausstieg aus dem Euro wird wahrscheinlicher.   

Das sorgt auch auf der anderen Seite des Atlantiks für wachsende Nervosität. Die großen amerikanischen Hedgefonds haben schätzungsweise noch immer mehr als zehn Milliarden Euro in Griechenland investiert – darunter Staatsanleihen, Bankaktien und andere Investments. Nach Schätzungen von Brokern sind von den etwa hundert Großinvestoren, die noch vor einem Jahr auf einen positiven Ausgang hofften, zwischen 40 und 50 übrig geblieben. Zu den größten unter ihnen zählen neben Paulson & Co. auch Greenlight Capital, der Fonds des notorischen Aktivisten-Investors David Einhorn, und Schwergewichte wie Japonica Partners.

Bis zuletzt hatten die US-Investoren gehofft, die linke Regierung in Athen werde es nicht zum Äußersten kommen lassen und sich auf einen Deal mit der Troika einlassen. Griechenland, so die Wette, werde im Euro bleiben, die Reform zwar langwierig und schmerzhaft – aber das Festhalten an den Anleihen letztlich lukrativer sein als ein Panikverkauf. "In ihrer Welt gibt es am Ende schließlich immer einen Deal", sagt William Blake, Wirtschafts- und Rechtsexperte an der Universität von Missouri-Kansas City. Die griechischen Staatsanleihen versprachen hohe zweistellige Renditen, Bankaktien waren nirgendwo billiger zu haben als bei den kapitalschwachen und von Kreditausfällen geplagten Instituten Athens. "Das war riskant, aber verlockend", so Blake.

Fortress Capital, eine Investmentgruppe aus Manhattans Midtown, steckte 100 Millionen Dollar in die griechische Reederei Attica; York Capital, ein Fonds, der hoch über New York mit Blick auf den Central Park thront, kaufte zehn Prozent an einer von Griechenlands bekanntesten Baufirmen; und die Kreditsparte von Großinvestor Blackstone erwarb noch 2014 zehn Prozent an der Wohnungsbaugesellschaft Lamda Development. 

"Ihr Geschäft ist es, mit dem Risiko zu spielen, manchmal geht es gut, manchmal nicht", fasst James Angel zusammen, Finanzprofessor an der McDonough School of Business der Georgetown Universität in Washington. Volatilität schaffe enorme Gewinnmöglichkeiten. "Genau das macht jemanden wie John Paulson so erfolgreich", sagt Angel. Das aus heutiger Sicht als falsch zu kritisieren, sei einfach.

Doch als die Frist im Schuldenstreit nahte und sich abzeichnete, dass die Regierung von Alexis Tsipras sturr bleiben würde, verließ auch die nervenstarken New Yorker zunehmend der Mut. Eilig trafen sich die zwölf größten Hedgefonds in Athen mit Vertretern von Axia Ventures, einer Investmentbank, die sich auf den Markt im Süden Europas spezialisiert hat, um die nächsten Schritte zu besprechen und Schadensbegrenzung zu betreiben. Die Fondsmanager in New York hätten die Sturheit der beteiligten Parteien schlicht unterschätzt, sagt William Blake.