Die neuen Vorschläge aus Griechenland zur Lösung der Schuldenkrise sind von der EU-Kommission positiv bewertet worden. Sie seien eine gute Basis für die weiteren Verhandlungen heute in Brüssel, twitterte der Kabinettschef von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, Martin Selmayr. Neben Juncker hätten auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, die Vorschläge erhalten. 

Selmayr fügte in dem Tweet an: "In German: 'eine Zangengeburt'". Zum Inhalt der Vorschläge machte er keine Angaben. Aus dem Büro des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras hieß es, man habe Lösungsvorschläge präsentiert, für eine "für alle Seiten nützliche Vereinbarung, die eine dauerhafte Lösung bietet und das Problem nicht nur vertagt".

Wie die griechische Presse am Morgen berichtete, sei Athen nun bereit, die Mehrwertsteuer im Bereich Tourismus zu erhöhen, die meisten Frührenten abzuschaffen und die Reichen des Landes mit einen Sondersteuer zu belegen. Weiter habe die griechische Regierung zugesagt, einen Primärüberschuss von  einem Prozent des Bruttoinlandproduktes in diesem und zwei Prozent im nächsten Jahr zu erreichen. 

Tsipras reiste am Sonntagabend nach Brüssel, wo er mit den Führungskräften der weiteren 18 Staaten der Eurozone sowie der Spitze der Europäischen Union zusammentreffen wird. Vor Beginn des Sondergipfels am Abend wollte Tsipras sich noch mit Gipfelchef Donald Tusk besprechen. Anschließend werde er sich mit Tusk, Juncker, IWF-Chefin Christine Lagarde und EZB-Präsident Mario Draghi treffen, teilte das Tsipras-Büro mit.

Ziel der Verhandlungspartner Griechenlands ist es weiterhin, das Land in der Eurozone zu halten. "Wir brauchen Stabilität", sagte Frankreichs Präsident François Hollande. Er warnte: "Wenn die Griechen die Eurozone verlassen, wäre das nicht positiv für die Griechen oder die Europäer." Auch der italienische Regierungschef Matteo Renzi sagte, die europäischen Politiker arbeiteten an einer Lösung der Schuldenkrise "in den nächsten Stunden". 

EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici rechnet nach eigenen Worten mit einem positiven Ausgang des Schuldenstreits. "Wir bewegen uns in die richtige Richtung. Wir haben eine solide Grundlage für eine Einigung", sagte der Franzose dem Radiosender Europe 1.

Das aktuelle europäische Hilfsprogramm für Griechenland läuft Ende des Monats aus. Wenn bis dahin keine Einigung über die Auszahlung von Hilfsgeldern in Höhe von 7,2 Milliarden Euro erzielt wird, droht dem Land die Staatspleite – zumal Athen bis zum 30. Juni 1,6 Milliarden Euro an den IWF zahlen muss. 

Streitpunkt in den Verhandlungen ist seit Monaten, welche Einsparungen und Reformen Athen umsetzen muss. Die Geldgeber wollen nur dann weitere Finanzmittel freigeben, wenn Griechenland konkrete Zusagen macht, die für sie akzeptabel sind. Dabei geht es um Ausgabenkürzungen im Rentensystem, höhere Mehrwertsteuern und einen Haushalt mit einem Mindestprimärüberschuss, also vor Zinszahlungen und Tilgungen.

EU legt Zwei-Stufen-Plan für Eurozone vor

Um sich für künftige Krisen zu wappnen, legte EU-Parlamentspräsident Martin Schulz gemeinsam mit weiteren Top-Verantwortlichen einen Zwei-Stufen-Plan zur vertieften Zusammenarbeit der Eurozone vor. Damit solle die wirtschaftspolitische Steuerung des Währungsraums verbessert werden, heißt es in dem Bericht. Das Papier ist Thema beim Brüsseler Sommer-Gipfel am Donnerstag und Freitag. Autoren sind die fünf Präsidenten Juncker (EU-Kommission), Draghi (EZB), Tusk (EU-Ministerrat), Dijsselbloem (Eurogruppe) und Schulz (EU-Parlament). 

In Athen gab es unterdessen erneut Proteste. Etwa 5.000 Menschen nahmen am Sonntagabend an einer Kundgebung in der griechischen Hauptstadt teil, um für eine Einigung mit der EU zu demonstrieren. Die proeuropäischen Aktivisten wollten sich am Abend erneut vor dem Parlament in Athen versammeln. Die Regierungspartei Syriza und andere linke Parteien und Gruppen organisierten am Wochenende auch in anderen europäischen Städten "Solidarität für Griechenland"-Zusammenkünfte.