Auf den ersten Blick scheint es die sinnvollste Lösung: Eine linke Regierung kommt an die Macht, muss Geld sparen, warum nicht einfach das Militärbudget kürzen?

Aber für die Syriza-Regierung in Griechenland war es trotz des immensen Drucks aus Brüssel, vereinbarte Finanzziele zu erreichen, nicht einfach, die Ausgaben hier zu senken. Anders als es in der breiten europäischen Öffentlichkeit wahrgenommen wird, hat Griechenland seit Krisenbeginn einiges unternommen, um die Ausgaben für Armee, Marine und Luftwaffe zu kürzen. Zahlen des Stockholmer Friedensinstituts Sipri belegen das: Lagen die griechischen Militärausgaben 2009 noch bei 7,6 Milliarden Euro, sind sie auf rund vier Milliarden im vergangenen Jahr gesunken – eine Kürzung um 47,7 Prozent.

Aus griechischen Haushaltsdaten geht außerdem hervor, dass Griechenland in den vergangenen drei Jahren im Schnitt 428 Millionen Euro für die Ausrüstung des Militärs ausgegeben hat. Eine vergleichsweise niedrige Zahl, wenn man bedenkt, was der frühere und mittlerweile inhaftierte ehemalige Finanzminister Akis Tsochatzopoulos in der Vergangenheit so alles angeschafft hatte.

Konflikt mit Türkei erfordert gut ausgestattete Armee

Der größte Teil der griechischen Militärausgaben sind Personalkosten. Und auch die sind in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Vor der Krise waren 70 Prozent des gesamten Militärbudgets Personalkosten. Jetzt sind es weniger als 50 Prozent, wie aus Zahlen des International Institute for Strategic Studies (IISS) hervorgeht.

Den Kürzungen steht aber eine Vielzahl von militärischen Verpflichtungen gegenüber. Die Beteiligung Griechenlands an multinationalen Einsätzen ist zwar reduziert worden, aber die Nato verlangt von ihren Mitgliedern beispielsweise, dass sie mehr als zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für das Militär ausgeben. Griechenland, Großbritannien, die USA und Estland waren im vergangenen Jahr nach Angaben der IISS die einzigen Nato-Länder, die diese Vorgabe erfüllt haben.

Hinzu kommt, dass Griechenland auch eigene Sicherheitsbedürfnisse hat, die das Land zwingen, die Militärausgaben auf einem gewissen Niveau zu halten. Das Verhältnis zur Türkei hat sich im Vergleich zu 1996, als die beiden Staaten beinahe in einen Krieg geschlittert wären, zwar verbessert, aber die Situation ist angespannt. Jahr für Jahr fliegen Dutzende türkische Kampfflieger unautorisiert über Griechenland. Unlängst haben türkische Kriegsschiffe griechische Gewässer ohne Erlaubnis durchquert.

Ankara besteht auf einer Doktrin aus dem Jahr 1995: Sollte Griechenland sein legales Recht durchsetzen, die Seegrenze auf zwölf Meilen auszuweiten, würde die Türkei das als einen Kriegsgrund betrachten. Dieser Konflikt sowie andere Sicherheitsfragen wie der anhaltende Streit um Zypern und die zunehmende Zahl illegaler Immigranten erhöhen den Druck auf die griechische Regierung, die Armee so gut wie möglich auszustatten. Das heißt natürlich nicht, dass es keinen Spielraum für Einsparungen gäbe. Dass es in den vergangenen fünf Jahren keine Revision der Militärausgaben gegeben hat, ist ein großer Fehler.