Ein Telefonat von Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande über die Schuldenkrise ist nach Regierungsangaben aus Athen "sehr gut" gelaufen. In dem 35 Minuten langen Gespräch seien sich Tsipras, Merkel und Hollande einig geworden, dass die langwierigen Gespräche sehr bald zu einem erfolgreichen Ergebnis kommen müssten. 

Die Bundesregierung bezeichnete die Unterhaltung als konstruktiv, nannte aber keine näheren Details. Es war das zweite Gespräch dieser Art innerhalb von drei Tagen. Ähnliche optimistische Statements aus Athen hatten in den Vortagen kein Echo von den Gesprächspartnern erhalten.  

Hintergrund der Unterredungen ist die Tatsache, dass Griechenland nach eigener Darstellung die in dieser Woche fällige Rückzahlung von rund 300 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds nur leisten kann, wenn es neue Kredithilfe bekommt. Um einen Zahlungsausfall zu vermeiden, verhandeln Griechenland und seine Gläubiger seit Monaten über die Freigabe der letzten Tranche von 7,2 Milliarden Euro aus dem laufenden Rettungsprogramm. Als Gegenleistung verlangen die Geldgeber – IWF, Europäische Union und Europäische Zentralbank – weitere Reformen, mit denen die griechische Regierung ihren Haushalt konsolidieren soll.

Tsipras besprach die Ergebnisse der Telefonkonferenz im direkten Anschluss zwei Stunden lang mit seinem Finanzminister Yanis Varoufakis. Dieser sagt seit Wochen, er sei optimistisch, dass es "bald" eine Einigung gebe.

Der griechische Fernsehsender Skai berichtete, Tsipras werde noch am heutigen Montag möglicherweise nach Berlin reisen, um mit Merkel, Hollande und dem EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker zu sprechen. Eine Bestätigung dafür gab es aus Deutschland und Griechenland jedoch nicht.

Der gezeigte Optimismus vonseiten Griechenlands widerspricht deutlich einem Kommentar, den Tsipras für die französische Zeitung Le Monde schrieb. In dem am Sonntag online veröffentlichten Beitrag stellte der griechische Regierungschef klar, dass nicht eine Unnachgiebigkeit Athens, sondern das Beharren der Gläubiger auf Sparmaßnahmen eine Einigung verzögert habe. Griechenland erscheine als "das erste Opfer" einer "neuen europäischen Macht", schrieb Tsipras.

Zuletzt hatte die Regierung in Athen Kompromissbereitschaft signalisiert. Bisher hatte sie zwei Forderungen der Kreditgeber als rote Linien bezeichnet: die Rentenkürzungen und die Arbeitsmarktreformen. Jetzt scheint Tsipras' Regierung bei den Renten nachzugeben. Zur Disposition steht offenbar das Recht auf Frühverrentung. Nicht nachgeben will die Regierung offenbar bei ihrem Bemühen, die Gewerkschaften zu stärken. Sie will, dass Gewerkschaften Tarifverträge wieder für sämtliche Mitglieder aushandeln dürfen – und nicht nur auf Betriebsebene. Letzteres hatten die Geldgeber zu Beginn der Krise durchgesetzt.