Mütter, die in Müllcontainern nach Essensresten wühlen, um sie ihren Kindern zu geben. Rentner, die um Geld betteln. Krankenhäuser, die vergammeln, weil der Staat kein Geld mehr für sie hat. Es sind solche Bilder aus Griechenland, die um die Welt gehen und deutlich machen: Die Krise ist mehr als eine Debatte um den Fortbestand einer Währung, sie trifft die griechische Bevölkerung längst bis ins Mark.

Inzwischen mahnen auch deutsche Politiker, mitten in Europa bahne sich eine humanitäre Katastrophe an. Es müsse Hilfe für Griechenland geben – und zwar nicht für den Staat, sondern für dessen Menschen. Es müssen Hilfsprogramme aufgelegt werden, forderte zuletzt der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz. Werden also bald Lkw-Konvois mit Hilfsgütern nach Hellas rollen?

Nötig wäre es, das belegen zumindest die Statistiken. Mehr als ein Drittel der griechischen Bevölkerung hat durch die Krise die Arbeit verloren. Sozialhilfe gibt es nicht, krankenversichert sind die Arbeitslosen in der Regel auch nicht mehr. Die Hälfte der Haushalte kann laufende Ausgaben nicht mehr decken, besagen Umfragen. Drei Viertel der Bürger sparen schon beim Essen. Viele Krankenhäuser und Kindergärten hat der Staat aus Geldnot dichtgemacht, genauso wie Hilfsstationen für Alte und Behinderte. Nun werden auch noch Medikamente knapp und viele fragen sich, wie lange der Staat noch das Geld für Stromimporte aufbringt. Die Not ist inzwischen groß.

Doch wie so ein Hilfsprogramm aussähe und woher die EU die Mittel dafür nehmen könnte, das präzisiert Parlamentspräsident Schulz auf Nachfrage nicht. "Das Geld dafür wäre jedenfalls da", sagt der Grünen-Abgeordnete Sven Giegold: "Im EU-Haushalt gibt es ja Budgetposten, die im Falle von Naturkatastrophen oder Notständen eingesetzt werden können. Den Topf dafür finden wir also, da habe ich keine Bedenken. Aber wir sollten lieber alles daransetzen, um die Katastrophe durch den Grexit noch abzuwenden."

Suche nach passenden Nothilfetöpfen

Es gibt Fonds für Notfälle und Katastrophen. Eine Milliarde Euro stünde allein für humanitäre Einsätze bereit – das Problem ist nur: Der Topf ist nur für Drittstaaten gedacht, die Ukraine zum Beispiel bekam daraus Geld. Für EU-Länder selbst gilt er nicht. Und der EU-Solidaritätsfonds ist nur für Naturkatastrophen reserviert, nicht für Notlagen, die von der Politik ausgelöst worden sind. Dem Vernehmen nach prüfen EU-Behörden, welcher der Töpfe sich umwidmen und anzapfen ließe.

Nicht-staatliche Helfer könnten schneller Geld locker machen. Die Kirchen etwa haben spezielle Sonderetats für ihre Partnerorganisationen und für humanitäre Notfälle. Allerdings weist die katholische Hilfsorganisation Misereor die Meldung zurück, sie sammle bereits Geld für Griechenland: "Ein Hilfsprogramm für Griechenland ist nicht wirklich unsere Aufgabe im Moment, das müssen andere machen. Wir sind eher in Afrika, Asien und Lateinamerika aktiv." Auch die unabhängige private Organisation Welthungerhilfe sagt, sie sei im Falle Griechenlands "noch nicht direkt" aktiv. "Wir haben ein klares Mandat für Entwicklungsländer und dort, wo die Not am größten ist. Dazu gehört Griechenland nicht."

Andere sehen diese Not sehr wohl. Die Caritas zum Beispiel hat bereits 2013 das Programm namens Hoffnung gestartet und unterstützt damit 500 besonders notleidende Familien in Griechenland. Sie verteilt Nahrungsmittelpakete im Wert von 50 Euro im Monat. Und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) sagt: "Wir stehen für Hilfen bereit." Denn, so betont Sprecherin Alexandra Burck: "Wir beobachten, dass besonders die Schwächsten in der Gesellschaft, arme, kranke und alte Menschen, sowie Flüchtlinge, unter der Situation leiden. Bereits jetzt gibt es Engpässe in der medizinischen Versorgung. Dazu könnten Probleme bei der Grundversorgung kommen, wenn sich viele Menschen den Kauf lebensnotwendiger Güter kaum mehr leisten können."

Über die Schwesterorganisation, das Griechische Rote Kreuz, könne das DRK dem Land flächendeckend und schnell helfen. Allerdings: Die Hellenen müssten die Hilfe zuerst anfordern und dann müssten die Spenden dafür gesammelt werden. Gelder dürfen nämlich nur für genau den Einsatzzweck verwendet werden, für den die Bürger sie eingezahlt haben.