Der Flughafen von Thessaloniki im Norden Griechenlands © Sotiris Barbarousis/epa/dpa

Die Vereinbarung klingt plausibel: Um die Schulden zu bezahlen, soll Griechenland neben zahlreichen weiteren Staatsbetrieben auch einen Teil seiner Flughäfen privatisieren. 14 davon, darunter Flughäfen in den beliebtesten Urlaubszielen des Landes, sollen an den Frankfurter Betreiber Fraport AG gehen. Die alte Regierung in Athen hoffte auf Einnahmen von bis zu 50 Milliarden Euro, als sie sich mit den Gläubigern im vergangenen Jahr auf die Pläne einigte. Doch bei der Nachfolger-Regierung kommen diese Ideen nicht gut an.  

Gegenüber dem ARD-Magazin Monitor äußerte sich der zuständige griechische Infrastrukturminister Christos Spirtzis kritisch zu der Vereinbarung. "Bei dieser Privatisierung soll der griechische Staat 14 gewinnbringende Flughäfen verkaufen, und die anderen 30 Flughäfen, die keinen Gewinn machen und subventioniert werden müssen, bleiben beim griechischen Staat. Das ist ein Modell, das so noch nirgendwo in Europa angewandt wurde. Das passt eher zu einer Kolonie als zu einem EU-Mitgliedsland", sagte Spirtzis.

Die Lufthansa Consulting, die den griechischen Privatisierungsfonds HRADF im Bieterprozess beraten hat, bestätigte laut Monitor, dass bei dem Geschäft "sicherlich von einer wirtschaftlichen Lukrativität ausgegangen werden" könne. Dafür sprechen laut dem Bericht auch die jüngsten Flug- und Passagierzahlen: So sei die Zahl der Flüge an den 14 Flughäfen im letzten Jahr um knapp 14 Prozent gestiegen, die der Passagiere um fast 20 Prozent auf über 22 Millionen.

Experten warnen vor einer übereilten Privatisierung

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung warnt gegenüber Monitor vor einer übereilten Privatisierung. "Wenn es tatsächlich dazu kommt, dass diese staatlichen Unternehmen schnell verhökert werden, dann wird man sich darüber tatsächlich ärgern, denn derzeit sind sie nicht zu ihrem wirklichen Wert verkaufbar", so Wirtschaftsexperte Alexander Kritikos. Die nächste Regierung werde sich in dem Fall darüber ärgern, dass sie konzeptionslos in die Privatisierung eingestiegen sei.

Die deutsche Fraport AG, mehrheitlich im Besitz der Stadt Frankfurt und des Landes Hessen, hatte gemeinsam mit dem griechischen Partner Copelouzos Group im vergangenen Jahr den Bieterwettbewerb um die Konzession für den Betrieb der 14 wichtigsten griechischen Regionalflughäfen mit einem Gebot von 1,23 Milliarden Euro gewonnen. Der Vertrag ist zunächst auf 40 Jahre angelegt.