Wenige Tage nach der Einigung mit den UN-Vetomächten und Deutschland auf ein Atomabkommen ist Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) in den Iran gereist. Er ist der erste Politiker aus einem westlichen Land, der eine diplomatische Reise in den Iran unternimmt, seit das Abkommen steht. In Teheran will Gabriel den iranischen Präsidenten Hassan Ruhani treffen. Begleitet wird der Vizekanzler von Wirtschafts- und Wissenschaftsvertretern.

Mit nach Teheran flog auch Eric Schweitzer, der Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). "Es gibt eine potenziell große Nachfrage nach deutschen Produkten, etwa bei der Erdgas- und Erdölexploration, Chemie, Konsumgüter, Textil und Nahrungsmitteln", sagte Volker Treier, Außenwirtschaftschef der DIHK.

Im vergangenen Jahr wurden zwischen Deutschland und dem Iran Waren im Wert von 2,4 Milliarden Euro gehandelt. Künftig könnten jährlich Güter in Höhe von 7 Milliarden Euro exportiert werden, hofft die deutsch-iranische Handelskammer. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) rechnet mit einem mittelfristigen Exportvolumen von 10 Milliarden Euro.

Das Atomabkommen sei "die Basis für eine Normalisierung der wirtschaftlichen Beziehungen", sagte Gabriel vor seiner Abreise. Er will sich in Teheran nicht nur für die Industrie einsetzen. Auf die Einigung müssten weitere Schritte folgen, "vor allem mit Blick auf die Rolle Irans in den Konflikten in der Region und insbesondere im Verhältnis zu Israel", sagte Gabriel der Bild-Zeitung.

Der Iran weigert sich seit Jahrzehnten, das Existenzrecht Israels anzuerkennen. An dem feindlichen Kurs gegenüber dem Nachbarstaat wird sich dem geistlichen Oberhaupt des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, zufolge auch nichts ändern. Zudem werde der Iran nicht von seiner Politik gegenüber der "arroganten" US-Regierung abweichen, sagte Chamenei in einer Rede. Verhandlungen mit Washington würden nur in "Ausnahmesituationen" wie dem Atomstreit geführt. Gespräche über andere regionale und bilaterale Fragen gebe es nicht.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu reagierte prompt und sagte, die amerikafeindlichen Äußerungen von Chamenei bestätigten nur Israels berechtigte Kritik am Atomdeal. Besonders verärgert zeigte sich Netanjahu über die Ankündigung Teherans, die libanesische Hisbollah und militante palästinensische Gruppen auch künftig zu unterstützen. Iran versuche noch nicht einmal, die Tatsache zu verschleiern, dass die Aufhebung von Sanktionen zur weiteren Bewaffnung militanter Gruppen im Nahen Osten führen werde, sagte der israelische Regierungschef.

Die fünf UN-Vetomächte und Deutschland hatten sich nach jahrelangen Verhandlungen am Dienstag mit dem Iran auf ein Atomabkommen geeinigt. Die iranische Regierung verpflichtet sich darin zu tiefgreifenden Einschnitten bei der Urananreicherung und akzeptiert umfassende internationale Kontrollen. Im Gegenzug sollen die Sanktionen aufgehoben werden.

Atomabkommen - So überwacht die Internationale Atomenergiebehörde das Abkommen mit dem Iran Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) überwacht das mit dem Iran erzielte Atomabkommen. Die Behörde zeigte, welche Geräte sie dafür nutzt.