Nächste Woche könnte die ukrainische Regierung eine bittere Niederlage erleben – diesmal nicht in einer Schlacht im Osten des Landes, sondern im Kampf um den eigenen Schuldenberg. Findet Kiew mit den Gläubigern keinen Kompromiss, steht der Wirtschaft der Ukraine womöglich Übles bevor, ein Scheitern der Verhandlungen könnte den Populisten den Weg zur Macht ebnen.

Das Spiel, das die ukrainische Regierung mit ihren Gläubigern spielt, ähnelt auf den ersten Blick dem griechischen sehr. Es geht auch um einen Schuldenerlass, um mehr Kredite und Reformen. Und genauso entschlossen versuchen die Ukrainer bis zum Ende, die Eskalation als eine Verhandlungstaktik zu benutzen.

Die Aufgabe ist anspruchsvoll. 23 Milliarden Dollar der ukrainischen Schulden – in dieser Höhe halten ausländische Gläubiger Anleihen der Ukraine – sollen um 40 Prozent reduziert werden. Das war Teil einer Absprache mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF), um eine im März vom Fonds bewilligte Kredittranche zu bekommen. Die Gläubiger waren allerdings wenig erfreut darüber, mehr als ein Drittel ihres Geldes zu verlieren. Umso mehr, da drei Milliarden Dollar der Schulden von Russland gehalten werden. Moskau hatte dieses Geld noch der russlandnahen Janukowitsch-Regierung geliehen und hat jetzt keine Lust, den ungehorsamen Ukrainern die Schuld zu erlassen.

IWF auf Kiews Seite

Die Verhandlungen schienen schon zu scheitern, doch die Regierung in Kiew erhöhte die Wette sogar noch: Im Mai erlaubte das Parlament einen Zahlungsstopp, falls mit den Gläubigern keine Vereinbarung erzielt wird – als Alternative zum Schuldenerlass gab es somit nur einen Komplettverlust des Geldes. Die Gläubiger waren davon dennoch nicht beeindruckt. Noch ein Schuldenpoker, wieder ein Nervenspiel in Europa.

Doch damit sind die Ähnlichkeiten mit Athen schon zu Ende. Im Unterschied zu Griechenland sind der IWF und westliche Regierungen auf Kiews Seite. Der Währungsfonds entschied, die Tranche auch im Falle gescheiterter Verhandlungen zu überweisen. Das veränderte die Situation stark: Weil der IWF-Kredit nicht mehr mit der Einigung mit den Geldgebern verbunden ist, hat die Ukraine mehr Raum für Verhandlungsmanöver.

Das Geld des Westens braucht die Ukraine dringend. Schon vor dem Krieg im Osten ging es der Wirtschaft erbärmlich, aber seit Ausbruch des Krieges läuft es besonders schlecht. Im vergangenen Jahr ist das Bruttoinlandsprodukt um 6,8 Prozent geschrumpft; dieses Jahr schätzt die Weltbank das Minus auf 7,5 Prozent. Die ukrainische Währung Hrywnja hat in zwei Jahren fast zwei Drittel ihres Wertes verloren, die Arbeitslosigkeit hat erwartungsgemäß zugenommen. Der Krieg selbst koste den ukrainischen Haushalt fünf bis zehn Millionen Dollar pro Tag, sagt die Finanzministerin Natalija Jaresko. Für die Gläubiger war das bislang ein guter Grund, in den Verhandlungen hartnäckig zu sein. Ihre Zusage galt schließlich als Voraussetzung, dass die Ukraine finanziell überlebt. Doch der IWF hat ihnen diese Waffe genommen.