Giorgos Zoumpourlis weiß, wie Griechenland denkt. Seit 25 Jahren verkauft er Zeitungen. Am Omonia-Platz im Zentrum Athens, einige Hundert Meter vom Parlament entfernt, steht er am Morgen nach dem historischen Nein in der Volksabstimmung in seinem Kiosk. Passanten schauen staunend auf die Titelseiten, die groß das OXI, das Nein der Griechen verkünden. Und nun tritt der Finanzminister zurück.

"Yanis Varoufakis war mehr als ein Politiker", sagt Zoumpourlis zu einem Kunden. "Vielleicht war er auch gar kein Politiker – und musste deshalb seinen Hut nehmen. Er hat die Wahrheit direkt ausgesprochen, geradeheraus. Mit dieser Art ist er bei den Politikern in Europa nicht gut angekommen."  

Es ist eine weitere unerwartete Wendung im Drama um Griechenlands Zukunft. Varoufakis, der Finanzminister Griechenlands, konnte nicht verhindern, dass sein Land nun tatsächlich bankrott ist. Und trotz des Erfolges beim Referendum ist er nun zurückgetreten.

Zoumpourlis und seine Kunden glauben, er sei zu diesem Schritt gedrängt worden. Varoufakis selbst hat seinen Rücktritt damit begründet, dass die Geldgeber zu weiteren Gesprächen nur ohne ihn bereit seien. Zum Wohle seines Landes habe er sich gebeugt. Ob der Impuls tatsächlich von außen kam oder Ministerpräsident Alexis Tsipras seinen Finanzminister zum Rücktritt aufgefordert hat, wissen derzeit wohl nur die beiden. Der Regierungschef dankte Varoufakis in einem knappen Statement für seine "Rolle als Protagonist" bei den Verhandlungen, die "unter sehr schwierigen Bedingungen" stattgefunden hätten, in denen er aber stets die Ziele der Regierung verfolgt und die Interessen des griechischen Volkes gewahrt habe. 

Auch aus der Syriza-Partei ist bisher keine Kritik zu vernehmen, der Erfolg des Referendums hat sie in ihrer Strategie bestärkt. Das Referendum hat gezeigt, dass eine Mehrheit in Griechenland ihre Interpretation der Ereignisse teilt. George Katrougkalos, Verwaltungsminister der Syriza-Partei, reagierte als einer der wenigen direkt auf den Rücktritt: "Varoufakis war nie ein Klotz am Bein dieser Regierung, sondern wertvoll für Griechenland. Dieser Rückzug zeugt von seiner Selbstlosigkeit." 

Varoufakis fliegt nicht Business-Klasse

Seit der Regierungsübernahme stand Varoufakis als Verhandlungsführer für Griechenland international im Zentrum des Interesses. Immer wieder kritisierte er die Rettungsstrategie der vergangenen fünf Jahre, er setzte die Politik der Troika sogar mit Folter gleich. Solch heftige Vergleiche und ein medienwirksames Auftreten –  auch damit sorgte Varoufakis für Aufmerksamkeit.

Das erste Interview mit einem deutschen Medium gab er Ende Januar ZEIT und ZEIT ONLINE  im Flugzeug, irgendwo in 10.000 Metern Höhe zwischen Athen und Paris. Eigentlich hätte es im griechischen Finanzministerium stattfinden sollen, doch schon in den ersten Tagen nach Amtsantritt war klar: Der Job als griechischer Finanzminister ist nicht planbar, Termine sind oft nicht haltbar. Kann man in einem Flugzeug zwischen Dutzenden Touristen in der Economy-Class ein Gespräch über die Krise Griechenlands oder gar Europas führen? Der Finanzminister eines bankrotten Staates fliege nicht Business, sagte Varoufakis.