Jetzt wird doch alles wieder sehr knapp. Und das liegt vornehmlich an einer Frau, die Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras bereits seit einigen Wochen das Leben noch schwerer macht, als es ohnehin schon ist: Zoe Konstantopoulou ist Präsidentin des Athener Parlaments und gehört zum linken Flügel der regierenden Syriza-Partei, der das dritte Hilfspaket für Griechenland vehement ablehnt. Konstantopoulou nutzt derzeit ihre wichtige Position, um den Reformprozess immer wieder zu blockieren. Die Abstimmung über das neue Hilfspaket, das die Regierung Tsipras Anfang der Woche mit den Gläubigern verhandelt hat, verzögert sich nun allein wegen ihr.

Über das Programm wird erst am frühen Freitagmorgen im griechischen Parlament abgestimmt, Konstantopoulou hatte entschieden, die Debatte darüber zu verschieben. Damit bleiben nur wenige Stunden bis zur Sitzung der Eurogruppe am Freitag. Dort sollen die europäischen Finanzminister den Weg für das dritte Hilfspaket freimachen. Der Deal funktioniert wie auch beim ersten und zweiten Paket: Geld nur gegen Reformen. Tsipras will seinem Land für die kommenden drei Jahre etwa 85 Milliarden Euro an neuen Krediten sichern. Dafür hat er versprochen, freiwillig eine Zwangsjacke überzuziehen und eine Liste von mehr als 35 Reformen abzuarbeiten.

Am schmerzhaftesten für Tsipras und Syriza dürften die geforderten Sparmaßnahmen sein. Vor der Wahl im Januar hatte der Syriza-Chef versprochen, dass die bei den Griechen so verhasste Immobiliensteuer nicht mehr für den ersten Wohnsitz gelten soll. Passé. Jetzt wird das Geld komplett eingetrieben. Allein für das laufende Jahr sollen so fast 2,7 Milliarden Euro zusammenkommen. Schwer trifft es auch die Landwirte Griechenlands, die ihre Steuerprivilegien verlieren. Das wird auch die Wirtschaft des Landes insgesamt belasten, weil der Agrarsektor etwa 15 Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts ausmacht.

"Die Einigung ist ein Erfolg"

Leichter hingegen dürfte es Tsipras fallen, die Abgaben für Griechenlands Reeder um etwa vier Prozent zu erhöhen. Unklar ist jedoch, wie einträglich dies sein wird, da das Gesetz nur wenige betreffen wird. Einzig die Schiffe, die unter griechischer Flagge fahren, und diejenigen, die an Griechenlands Küsten aktiv sind, müssen die höheren Steuern zahlen. Auch die stufenweise Abschaffung der Frührente ist weniger problematisch. Obwohl vor allem Staatsbedienstete und damit viele Syriza-Wähler betroffen sind: Die Mehrheit der Bevölkerung verlangt schon lange die Privilegien von Staatsbediensteten abzuschaffen.

Deutsche Ökonomen bewerten das Ergebnis auch deshalb nicht als Niederlage für Tsipras: "Die Einigung ist ein Erfolg und eine Überraschung, weil sie jetzt doch schnell gelungen ist", sagt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), ZEIT ONLINE. "Beide Seiten haben sich aufeinander zubewegt, weil sie von der Realität eingeholt worden sind." Aus Sicht der Gläubiger gelte dies vor allem für die nun vereinbarten Haushaltsziele, die nicht mehr so ambitioniert seien wie noch vor wenigen Wochen.

Tsipras muss für dieses Jahr offenbar nicht einmal mehr einen positiven Primärhaushalt aufweisen. Das bedeutet: Der Staat muss nicht mehr einnehmen, als er ausgibt, wenn Zinszahlungen und Kredittilgung außen vor bleiben. Erst im kommenden Jahr soll wieder ein Primärüberschuss von 0,5 Prozent erzielt werden. Noch zu Beginn der Verhandlungen waren Zahlen um die drei Prozent im Gespräch.