Flüchtlinge stehen vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Berlin. © Stefanie Loos/Reuters

1. Deutschland nimmt schon viel mehr Flüchtlinge auf als andere Länder

Betrachtet man nur die absolute Zahl von 180.000 Flüchtlingen im ersten Halbjahr 2015, dann ist Deutschland zurzeit das Land in Europa, in dem die meisten Flüchtlinge einen Asylantrag stellen. Doch erstens gilt das erst seit kurzer Zeit. Und zweitens gilt: Rechnet man die Zahl der Asylsuchenden auf die Einwohnerzahl um, sind Schweden und Ungarn derzeit die Länder Europas, die am meisten Flüchtlinge aufnehmen – gefolgt von Österreich. In Schweden wurden 2014 mehr als acht Asylanträge pro 1.000 Einwohner gestellt. Wichtig ist außerdem, wie oft die Staaten den Anträgen stattgeben. Auch da liegt Schweden weit vor uns: Die Skandinavier stimmen zwei Dritteln der Asylanträge zu. Deutschland dagegen weist viel mehr als die Hälfte der Anträge ab. Im internationalen Vergleich – also nicht nur Europa – liegt die Bundesrepublik übrigens auf keinem vorderen Platz im Ranking der Länder, die Asyl gewähren.

2. Wir haben keinen Platz mehr in Deutschland

Deutschland hat keinen Platz mehr, heißt es oft. Es gebe ohnehin kaum noch bezahlbare Wohnungen in deutschen Städten. Wo sollten also weitere Flüchtlinge unterkommen? Besonders die vielen Berichte von übervollen Erstaufnahmestellen erwecken diesen Eindruck. Und ja, einige Städte sind mit der Organisation der Flüchtlingsunterkünfte überfordert. Tatsache ist jedoch: Ganze Landstriche Deutschlands entvölkern sich zusehends, weil dort niemand mehr wohnen will. In vielen Gemeinden stehen Wohnungen leer. Im Odenwaldkreis in Hessen kommt derzeit nicht einmal ein Flüchtling auf 1.000 Einwohner. In Schwandorf in Bayern sind es derzeit gerade mal zwei Flüchtlinge. Und in Berlin, einer der Hochburgen der Neuankömmlinge, leben 4,5 Flüchtlinge unter 1.000 Berlinern. Im Schnitt kommen in Deutschland derzeit etwa zwei Asylbewerber auf 1.000 Bewohner. In Schweden sind es viermal so viele.

3. Müssen wir denn wirklich halb Afrika retten?

Wir werden derzeit Zeugen einer neuen Völkerwanderung. Rund 60 Millionen Menschen weltweit sind auf der Flucht, so viele wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Wenn nun Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagt: "Wir können die Probleme Afrikas doch nicht dadurch lösen, dass die Hälfte der Menschen Afrikas nach Europa kommt", leitet das aber grob in die Irre. Die Mehrheit der Flüchtlinge weltweit stammt nicht aus Afrika. Zudem suchen nur wenige Afrikaner Schutz in Europa. Ein Blick in die Statistik der Flüchtlingsagentur der Vereinten Nationen UNHCR zeigt, dass die größte Gruppe der Flüchtenden – vier Millionen Menschen 2014 – aus Syrien stammt. Das zweite große Fluchtland ist Afghanistan. Beide Länder stellen rund 30 Prozent derjenigen, die hierzulande Asyl suchen. Weitere 30 Prozent kommen aus den Staaten Ex-Jugoslawiens. Unter den zehn Herkunftsländern, deren Bewohner derzeit in Deutschland am häufigsten Asyl suchen, ist nur ein afrikanisches Land, nämlich Eritrea. Von dort kommen drei Prozent der Asylsuchenden.

4. Denen geht's doch gar nicht schlecht – die haben sogar teure Handys

Es stimmt, dass viele Flüchtlinge ein Handy dabeihaben. Das aber ist kaum überraschend: In den Herkunftsländern sind Handys keine Luxusobjekte und Statussymbole, sondern oft die einzigen Elektrogeräte, die Menschen überhaupt besitzen. Sie sind oft ein überlebenswichtiges Kommunikationsmittel. Viele Menschen schafften sich in den Revolutionswirren des Arabischen Frühlings Handys an, um sich untereinander vor Militärattacken zu warnen und Demonstrationen zu organisieren. Heute gibt es allein in Syrien zwölf Millionen Handys auf 20 Millionen Einwohner. Die Handyhersteller förderten diese Verbreitung. Sie witterten einen gigantischen Absatzmarkt, also brachten sie abgespeckte Billigmodelle auf den Markt. Apple sammelte in den USA sogar Gebraucht-iPhones bei der Kundschaft ein, um sie aufzubereiten und gezielt nach Nahost zu verschicken. Deswegen sieht man viele Flüchtlinge mit vermeintlich teuren iPhones. Handys sind zudem das einzige Mittel, mit dem die Flüchtenden ihren Daheimgebliebenen Lebenszeichen senden können.