Mehr als 150 Polizisten sind in Athen abgestellt, um das Gebäude im Stadtzentrum rund um die Uhr zu bewachen. Seit fast zwei Wochen wohnen die Vertreter der internationalen Geldgeber nun schon im Luxushotel Hilton und verhandeln dort mit der griechischen Regierung über das dritte Hilfspaket: Man trifft sich dazu meist im Konferenzraum Erato, benannt nach der Muse der Lyrik, des Gesangs und Tanzes.

Anders als in den bisherigen Gesprächen seit Anfang des Jahres aber dringt aus diesem Verhandlungsraum nur wenig Inhaltliches, stattdessen muss sich die Athener Presse etwa damit begnügen, dass es beim Abendessen kretischen Salat gab. Der Eurogipfel im Juli hat den Rahmen der Gespräche ohnehin vorgegeben, jetzt geht es um die Details.

"Zeile für Zeile", heißt es aus dem Athener Finanzministerium, wurde am vergangenen Wochenende und diesen Montag am sogenannten Memorandum of Understanding gearbeitet. Es ist ein 28-seitiges Papier, in dem sich die griechische Regierung zu Reformen verpflichtet und im Gegenzug dafür bis zu 86 Milliarden Euro an neuen Krediten erhält. Laut EU-Quellen sind nicht nur harte Struktur- und Sparmaßnahmen vorgesehen. Griechenland soll auch eine soziale Mindestabsicherung einführen, eine Art Hartz IV, das es bislang nicht gibt. Außerdem will die Regierung zusätzlich 150.000 Arbeitsplätze zu den bereits geplanten Stellen mit Mindestlohn schaffen.

Doch gibt es noch mehrere Knackpunkte: Etwa wie Landwirte besteuert, wie Handel und Dienstleistungssektor dereguliert werden sollen. Auch die Reform der Rentenkassen sowie der Zeitplan für die Umsetzung der geforderten Reformen sind noch unklar.

Wirtschaft könnte um drei Prozent schrumpfen

Eine offene Frage ist auch die Höhe des Primärüberschusses, also Haushaltsüberschuss ohne Zinsen- und Schuldendienst, den Griechenland erzielen soll. Von dieser Entscheidung hängt ab, wie sehr die griechische Regierung sparen muss. Auch die Konjunktur spielt hier eine Rolle: Bei einer schlechten Wirtschaftslage ist ein Primärüberschuss schwieriger zu erwirtschaften. Die Verhandlungsführer sind sich sicher, dass es in diesem Jahr wieder eine Rezession gibt: Bis zu drei Prozent könnte die griechische Wirtschaft 2015 laut ihren Prognosen schrumpfen. 

Streitpunkt bleibt auch der Privatisierungsfonds. Die Regierungschefs hatten sich auf dem Gipfel im Juli darauf geeinigt, einen 50 Milliarden Euro schweren Privatisierungsfonds einzurichten – auch als Sicherheit für die neuen Kredite. Manche verglichen diesen mit dem Treuhandfonds nach der Wende in Deutschland. Noch ist jedoch unklar, welche Vermögenswerte darin einfließen, ob etwa neben vielen staatlichen Immobilien und Grundstücken auch die griechische Bahngesellschaft Trainose verkauft werden soll.

Allerdings zeichnet sich laut Informationen aus dem Athener Finanzministerium ab, dass der Fonds zunächst auf eine Laufzeit von 30 Jahren ausgelegt sein könnte. Dies bedeutet: Die Summe von 50 Milliarden Euro müsste nur über einen sehr langen Zeitraum aufgebracht werden. Bis 2018 müsse der Fonds etwa 2,5 Milliarden Euro an Einnahmen erzielen. Im bisherigen Programm waren 6 Milliarden Euro für diesen Zeitraum vorgesehen.