Die drittgrößte Volkswirtschaft kehrt trotz großen Widerstands in der Bevölkerung zur Atomkraft zurück: Nach einem zweijährigen Stillstand aller Atomkraftwerke hat Japan erstmals wieder einen Reaktor angefahren. Der Block 1 des Atomkraftwerks Sendai in der südwestlichen Provinz Kagoshima ist der erste Reaktor, der seit der Atomkatastrophe von Fukushima vor gut vier Jahren wieder in Betrieb geht.

Laut dem Betreiber Kyushu Electric Power sei alles wie geplant gelaufen, es habe keine Probleme gegeben. Auf Bildern des Senders NHK waren Reaktormitarbeiter im Kontrollraum zu sehen, die das Kraftwerk hochfuhren. Der 31 Jahre alte Reaktor solle noch im Laufe des Tages wieder komplett funktionstüchtig sein. Ab Freitag soll er Strom erzeugen und ab September wieder im kommerziellen Umfang produzieren können.

Vor dem Komplex versammelten sich Dutzende Gegner der Atomkraft, darunter Ex-Ministerpräsident Naoto Kan, der zum Zeitpunkt der Kernschmelze von Fukushima im Amt war.

"Die strengsten Sicherheitsvorschriften der Welt"

Seit der durch ein Erdbeben und Tsunami ausgelösten Katastrophe im März 2011 waren alle der 43 Atomreaktoren in Japan abgeschaltet. Das AKW Sendai war das erste, das im vergangenen September die nach Fukushima eingeführten neuen Sicherheitsauflagen erfüllte. Die Regierung spricht von den "strengsten Sicherheitsvorschriften der Welt".

Unter anderem hat das Kraftwerk nun einen Notfallplan für Brände, Überflutungen oder andere Naturkatastrophen. 23 weitere Reaktoren, darunter der zweite in Sendai, haben Sicherheitsinspektionen beantragt oder warten auf eine Genehmigung für die Wiederinbetriebnahme.

Mehrheit der Japaner ist gegen Rückkehr zur Atomkraft

Ministerpräsident Shinzo Abe will so viele Reaktoren wie möglich wieder ans Netz nehmen, um die derzeit auf den Energieimport angewiesene Wirtschaft zu stützen. Seine Regierung will insbesondere erreichen, dass das Land bis 2030 wieder mehr als 20 Prozent seines Energiebedarfs aus der Atomkraft bezieht. Seit September 2013 wurde in Japan keine Atomenergie mehr produziert.

Die Mehrheit der Japaner ist allerdings gegen eine Rückkehr zur Atomkraft. Insbesondere die Anwohner nahe dem Sendai-Komplex sind skeptisch und verweisen auf Gefahren durch aktive Vulkane in der Region.