Eine Bäuerin im Dorf Gantarang Keke in Indonesien trocknet Kakaobohnen. © REUTERS/Yusuf Ahmad

El Cacao heißt das 1.500 Hektar große Abenteuer, in das sich Schokoladenspezialist Ritter Sport vor drei Jahren gestürzt hat. Auf einem riesigen Areal in Nicaragua baut das Unternehmen eine eigene Kakaoplantage auf – eine der größten der Welt. Zurzeit forsten die Baden-Württemberger das Areal auf, zwischen Mango- und Mahagoni-Bäumen werden dann die Setzlinge gepflanzt. Nicht alles läuft perfekt: Zwischendurch ist ein Teil des Areals abgesoffen, ein anderer verdorrt. Dass die Kakaopflanze ein Sensibelchen ist, das musste man am Firmensitz bei Stuttgart erst einmal lernen. In zwei Jahren soll es die erste Ernte geben. Mittelfristig hofft das Unternehmen, rund ein Drittel des benötigten Rohkakaos von den eigenen Plantagen zu beziehen.

Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein. Sicher, Ritter Sport betont, dass El Cacao ein langfristiges Projekt zur Qualitätssicherung sei. Man wolle nachhaltiger produzieren und die Lieferkette transparenter machen. Zu undurchsichtig seien die verschiedenen Stufen vom Feld bis ins Supermarktregal, teilweise wechsele eine Tonne Kakao auf dem Papier erst einmal zehn Mal den Besitzer, bevor sie tatsächlich physisch geliefert werde, klagt Ritter Sport.

Vor allem aber will sich das Unternehmen unabhängiger machen – von Kakaohändlern, Spekulanten und den Rohstoffbörsen. Denn die haben in den vergangenen Monaten prächtig an der kleinen Bohne verdient. Von einer Preisrallye sprechen schon die Fachleute. Im Juli wurde eine Tonne Kakao nach Angaben der Internationalen Kakaoorgansation ICCO für mehr als 3.325 Dollar gehandelt, so viel wie seit vier Jahren nicht mehr. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Preis mehr als verdoppelt.

Der Grund ist simpel: Die Welt liebt Schokolade – und zwar immer mehr. Asien könnte bald sogar so schokoladenbegeisterte Regionen wie Nordamerika überholen, schätzt die ICCO. Die neue Mittelschicht in China entdeckt nicht nur Fleisch für sich, sondern auch Schokolade. Für China und Indien prognostiziert die ICCO ein jährliches Wachstum von knapp acht Prozent – während der Weltmarkt im Schnitt nur um zwei Prozent zulege.

Um diesen Bedarf zu decken, müsste die Produktion um mindestens 600.000 Tonnen jährlich wachsen, schätzt der Kakaoverein aus Hamburg, in dem sich die wichtigsten deutschen Händler zusammengeschlossen haben. Solche Wachstumsraten sind allerdings für die zwei weltweit größten Kakao-Lieferanten, die Elfenbeinküste und Ghana, kaum zu stemmen. Die Landwirtschaft ist in diesen Ländern viel zu kleinteilig, die politische Lage zu instabil, die Infrastruktur zu schlecht. 

Hinzu kommt, dass immer mehr Spekulanten die kleine Bohne als lukratives Investment entdeckt haben. Kakao ist ein exklusiver Rohstoff, gerade einmal vier Millionen Tonnen werden jährlich gehandelt – bei Weizen sind es mehr als 600 Millionen Tonnen. Und Dank der hohen Preise werden im internationalen Kakaogeschäft mittlerweile rund zwölf Milliarden Euro umgesetzt. Das lockt die Spieler an.      

Spekulanten treiben die Preise

Der Hamburger Kakaoverein spricht in seinem aktuellen Geschäftsbericht von einem "starken Einfluss von spekulativen Finanzanlegern auf dem Kakaomarkt".  Sei im Jahr 2001 noch das Zwölffache der Welternte an den Kakaobörsen in New York und London gehandelt worden, so sei es im vergangenen Jahr bereits die 27-fache Menge gewesen – ein klares Zeichen, dass Spekulanten am Werk seien. Das treibt die Preise hoch.

Bei den weltweit 5,5 Millionen Kakaobauern kommt indes nur ein Bruchteil der gestiegenen Kakaopreise an. Sie sind das schwächste Glied der Kette und kaum organisiert. Ihnen stehen zwei internationale Großkonzerne gegenüber: Barry Callebaut aus der Schweiz und der amerikanische Cargill-Konzern. Nach zahlreichen Fusionen und Übernahmen haben sie inzwischen den Markt für Industrieschokoladen unter sich aufgeteilt, sie stellen mehr als 70 Prozent her. So viel Marktmacht verschlechtert die Verhandlungsposition der Kleinbauern, befürchten Entwicklungsorganisationen. 

Gerade in Westafrika sind es oft sehr kleine Plantagen, die von Familien bewirtschaftet werden. In Ghana erhalten die Bauern zwar einen staatlich festgelegten Preis von umgerechnet 1.500 Dollar je Tonne. Aber der Preis wird immer für ein ganzes Jahr festgelegt; steigt der Weltmarktpreis wie aktuell, bekommen die Bauern davon nichts ab. Und Initiativen, die den Bauern höhere Preise versprechen, wie beispielsweise Fairtrade, haben nur einen sehr geringen Marktanteil. In Deutschland liegt er gerade einmal bei zwei Prozent. Die Süßwarenbranche bewege sich viel zu langsam, klagt man bei Fairtrade.