München hat sich viel vorgenommen. Bis zum Jahr 2030 will die Stadtverwaltung alle Schulen auf den neuesten Stand bringen. 4,5 Milliarden Euro soll die kommunale "Schulbauoffensive" kosten. Allerdings kommt München auch nicht darum herum, zu investieren: Die Stadt wächst, und manche Schulgebäude platzen jetzt schon aus allen Nähten.   

Man könnte vermuten: Alleine dass Münchens Sanierungsplan so ambitioniert ausfällt, spricht dafür, dass es seine Schulen viel zu lange vernachlässigt hat. Viele der Münchner Eltern, die sich auf unseren Aufruf hin bei ZEIT ONLINE und der ZEIT gemeldet haben, zeichnen tatsächlich kein gutes Bild vom baulichen Zustand der Schulgebäude: Mehr Mütter oder Väter als anderswo sagten, die Schule ihrer Kinder sei renovierungsbedürftig. Zwar ist das aufgrund kleiner Fallzahlen nicht repräsentativ. Dennoch gibt die Post der Eltern aufschlussreiche Hinweise, auf wacklige Statik, zugige Fenster, schmutzige Klassenräume, kaputte Toiletten und fehlende Feuerleitern.    

Das Erasmus-Grasser-Gymnasium im Stadtteil Sendling-Westpark scheint ein typisches Beispiel zu sein. Mit mehr als 1.200 Schülern ist es eines der größten Gymnasien Münchens. Und es hat Tradition: Franz Josef Strauß unterrichtete an einer Vorläuferschule, Bernd Eichinger machte am Grasser 1970 Abitur.

Das heutige Grasser-Gymnasium sitzt in einem Altbau aus dem Jahr 1958 und einem Erweiterungsgebäude aus dem Jahr 1978. Beide Häuser sind noch nie grundlegend saniert worden – und sie sehen entsprechend aus. 

Ein Skandal für eine reiche Stadt wie München? Tut die Kommune zu wenig? Wie ist das für die Schüler und Lehrer, die das Gebäude täglich nutzen? Wir haben nachgefragt: Bei einer Mutter, einem Schüler, einem Lehrer und dem Stadtschulrat.    

Die Mutter: "Die Schule ist einfach alt"

Im Erasmus-Grasser-Gymnasium gibt es sehr viele Ecken, die nicht gut in Schuss sind. Wände wurden einmal gestrichen und dann nie wieder. Türen sind zerkratzt und tragen Reste von Klebstoff. Fenster schließen nicht richtig, Steckdosen haben keinen Strom, Wasserhähne sind kaputt, und Notausgänge lassen sich nicht benutzen. Neulich waren zwei Jungen auf der Toilette, als ihnen die Klinke abbrach – von innen. Es hat zwei Stunden gedauert, sie zu befreien. Im Klassenzimmer meines Sohnes sind die elektrischen Jalousien kaputt, sie heben und senken sich völlig willkürlich. Wenn sie sich nicht senken, obwohl die Sonne scheint, heizt sich der Raum sehr stark auf.

Auf die Schultoilette geht mein Sohn nicht. Ihn stört der penetrante Uringeruch. Es gibt keine Klobrillen und keine Klobürsten; vielleicht, damit die Schüler keinen Unsinn damit anstellen. Manchmal verstopfen sie den Abfluss mit Papier und verursachen Überschwemmungen. Natürlich stinkt es auch deshalb.

Es ist einfach eine sehr große Schule, und beide Häuser sind nicht neu. Vielleicht fehlt es auch an Personal, das alles instand zu halten. Es gibt ja in den Schulen zwischen Lehrern und dem Hausmeister keinen Mittelbau, keinen Organisator, der sich ausschließlich um solche Sachen kümmert, so wie die "Verwaltungsassistenz" in Nordrhein-Westfalen. Das wäre sicher hilfreich.