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Mindestlöhne werden als wichtiges Instrument betrachtet, um Armut zu verhindern – getreu dem Motto "Man soll von seiner Arbeit leben können". Darum existieren in drei von vier OECD-Ländern Mindestlöhne. Doch vielfach hilft der Mindestlohn nicht wirklich, Familien aus der Armut zu holen. Das zeigt die Infografik, die das Portal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat.

Basis der Betrachtung ist die sogenannte relative Armutsgrenze: Der Definition zufolge gelten Menschen als arm, die weniger als die Hälfte des Netto-Medianeinkommens des jeweiligen Landes zur Verfügung haben. Wie die Grafik offenlegt, reichen in einigen Ländern die gängigen 40 Stunden Arbeit pro Woche zum Mindestlohn nicht aus, wenn Alleinerziehende mit zwei Kindern über der Armutsgrenze leben wollen.

Am extremsten ist die Lage in Tschechien. Dort müsste die betrachtete Alleinerziehende fast doppelt so lang zu dem im Land bezahlten Mindestlohn arbeiten, um aus der Armut zu kommen. Ähnlich liegt der Fall in Estland, Griechenland und Spanien. Auch hier müsste die Alleinerziehende viel länger arbeiten oder einen Job deutlich oberhalb des Mindestlohns finden, um die Armutsgrenze zu überschreiten.

Am anderen Ende der Skala liegen Länder wie Großbritannien, Neuseeland und Deutschland. Dort reichen der Alleinerziehenden weniger als 30 Stunden Arbeit zum jeweiligen Mindestlohn, um zumindest über der Armutsgrenze zu liegen. Auch in Frankreich, den Niederlanden, Belgien und Kanada genügen dafür weniger als 40 Stunden Arbeit.

Einen Grund für die große Differenz sehen die OECD-Forscher in der bereits erwähnten Höhe des Mindestlohns: Ist er zu niedrig, schaffen es Familien trotz der Maßnahme nicht aus der Armut. So lässt sich etwa der Extremfall Tschechien auch umgekehrt betrachten: Um dort bei üblichen Wochenarbeitszeiten trotz Arbeit nicht als arm zu gelten, müsste der Mindestlohn ungefähr verdoppelt werden – bei unveränderten Steuersätzen.