Noch laufen die Pumpen auf Hochtouren: Ölförderung im US-Bundesstaat North Dakota ©Andrew Cullen / Reuters

2015 könnte die Geschichte der Ölförderung um ein einschneidendes Ereignis reicher werden: Die Ölindustrie wird wahrscheinlich den stärksten Einnahmerückgang innerhalb eines Jahres in ihrer gesamten Historie erleben. Seit Mitte 2014 sinkt der Ölpreis gewaltig – und steigen wird er so schnell nicht wieder, prognostiziert nun die Internationale Energieagentur IEA. Die Organisation geht davon aus, dass er mindestens bis Mitte kommenden Jahres auf dem niedrigen Niveau verbleiben wird.

Die Folgen für die Öl exportierenden Länder sind dramatisch. Ihre Gewinne werden in diesem Jahr um geschätzt 50 Prozent auf 380 Milliarden Dollar zurückgehen. Doch nicht alle Förderländer trifft die Entwicklung gleichermaßen hart. Während einige Staaten die niedrigen Preise vielleicht sogar zu ihrem Vorteil ausnutzen können, bedeuten sie für andere vielleicht sogar den Ruin. Hier sind die großen Gewinner und Verlierer des niedrigen Ölpreises.

Die Gewinner:

Saudi-Arabien:
Der alte und neue Gewinner im Ölgeschäft wird wohl Saudi-Arabien sein. Saudische Scheichs sitzen nicht nur auf Unmengen von Ölreserven – rund 268 Milliarden Tonnen. Es lässt sich auch leicht fördern, sie müssen nur die Hähne aufdrehen. Das tun sie bereits. Ende 2014 waren es vor allem sie, die sich weigerten, die weltweite Fördermenge zu reduzieren. Sie pumpten fleißig weiter 11,7 Millionen Barrel täglich auf den Markt. Deshalb sind sie im Grunde die wahren Auslöser für den großen Preissturz beim Öl.

Kritiker werfen Saudi-Arabien vor, damit die Konkurrenz aushungern zu wollen. Denn die Saudis können für 40 Dollar je Barrel noch kostendeckend Öl fördern, was viele andere nicht können. Vor allem nicht der große Konkurrent USA. Natürlich leidet auch Saudi-Arabien unter den niedrigen Preisen – zumindest ein bisschen. Denn der Staatshaushalt des Landes beruht zum großen Teil auf Öleinnahmen. Und bei den derzeitigen Tiefstpreisen verbrennt das Land Devisenreserven, um seine laufenden Ausgaben zu decken. Allein 20 Milliarden an Petrodollarreserven schmolzen im Februar dahin. Der Haushalt werde bald ins Minus rutschen, heißt es von der Regierung. Eine Weile lang kann sie sich das aber leisten, schließlich hat sie durch Zukäufe diverser Großbanken und internationaler Großkonzerne ihr Staatsportfolio diversifiziert.

Iran:
Eines der wichtigsten Ölförderländer hatten viele zuletzt nicht mehr auf der Liste: Der Iran sitzt auf 157 Milliarden Barrel Öl und damit auf den viertgrößten Reserven der Welt. Die Förderung hatte er wegen der Wirtschaftssanktionen stark einschränken müssen. Noch in den 1970er Jahren förderte Iran sechs Millionen Barrel täglich, 2012 noch 3,5 Millionen Barrel und zuletzt nur noch 2,8 Millionen Barrel. Doch mit der Beilegung des Atomstreits im Juli sollen die Sanktionen bald aufgehoben werden.

Der Iran könnte die Produktion deshalb bald wieder hochfahren. Vermutlich ab dem ersten Halbjahr 2016 ist wieder eine üppigere Förderung möglich. Doch es liegen größere Ölvorräte in den Lagern und auf Schiffen. Das könnte 30 Millionen Barrel auf den Markt spülen. Schon bald sollen wieder 4,7 Millionen Barrel pro Tag gefördert werden. Das ist zwar nur ein Zwanzigstel der Weltfördermenge, es würden aber enorme Einnahmen in die Staatskasse kommen.

China:
Nur wenige denken beim Öl an China. Doch die Volksrepublik hat sich auch in diesem Sektor klammheimlich in die Weltspitze geschoben. Sie fördert rund 4,6 Millionen Barrel täglich. Das sind zwar nur fünf Prozent der Gesamtproduktion, es reicht aber, um die Nummer fünf der Produzenten zu sein, hinter den USA, Saudi-Arabien, Russland und Kanada. Nun konsumiert China weit mehr, als es produziert, nämlich sieben Millionen Barrel täglich. Genau das ist der Grund, weshalb es vom billigen Ölpreis profitiert.

Ganz groß nämlich ist die Volksrepublik bei der Produktion von Industriemetallen und Rohstoffen wie Stahl, Eisenerz, Kohle und Aluminium – hier decken die Chinesen mehr als 40 Prozent der weltweiten Produktion ab. Diese Branchen sind aber energieintensiv und benötigen Unmengen von Öl. Dadurch, dass die Volksrepublik den Schmierstoff für ihre Volkswirtschaft erheblich billiger einkaufen kann, macht sie noch bessere Gewinne.