In der europäischen Staatsschuldenkrise wurde gerade in Deutschland immer wieder das Argument vorgebracht, "die im Süden" gingen ja viel früher in Rente als die angeblich lange arbeitenden Deutschen – und lägen darum der Rentenkasse früher auf der Tasche. Das ist Unsinn, wenn man sich die Infografik anschaut, die das Portal Statista auf Basis von Daten der OECD für ZEIT ONLINE erstellt hat.

Das tatsächliche Renteneintrittsalter unterscheidet sich innerhalb Europas nämlich kaum. Laut Industrieländerorganisation OECD gingen im Jahr 2012 die Männer in Deutschland im Schnitt mit 62,1 Jahren in Rente, in Griechenland mit 61,9 Jahren. Bei den Frauen ist die Differenz etwas größer. Auch Italiener und Österreicher beenden das Erwerbsleben früher als die Deutschen, aber nur geringfügig. Unter 60 Jahren sind im Schnitt dagegen Franzosen, Belgier und Luxemburger, wenn sie in Rente gehen.

In Spanien wird dagegen ein wenig länger gearbeitet, ehe man in Rente geht: Spanische Männer beenden im Schnitt mit 62,3 Jahren den Job, Frauen im Alter von 63,2 Jahren. Auffällig ist das vergleichsweise hohe Eintrittsalter in Portugal (Männer: 68,4 Jahre, Frauen: 66,4 Jahre).

Wie die Grafik außerdem zeigt, gehen die Menschen vielerorts mittlerweile später in Rente als noch im Jahr 2003. Das gilt auch für die tendenziell früh verrentenden Länder Frankreich und Italien. Ausnahmen sind insbesondere die Frauen in Irland und – vermutlich auch krisenbedingt – die Griechen. Allerdings: Die Zeitpunkte, zu denen im Durchschnitt das Arbeitsleben beendet wird, liegen in vielen Staaten teils deutlich vor dem jeweiligen gesetzlichen Rentenalter. Viele scheiden aus Krankheitsgründen vorzeitig aus dem Beruf aus und gehen darum früher als geplant in Rente.

Es gibt aber auch Ausnahmen: Männer in der Schweiz, in Schweden und Island arbeiten im Schnitt sogar rund ein Jahr länger als sie müssten – auch die erwähnten hohen Eintrittsalter der Portugiesen liegen über dem offiziellen Rentenalter. Die als fleißig betrachteten Asiaten stechen ebenfalls hervor: Die Männer in Japan gehen dort im Schnitt mit 69 Jahren in Rente, das offizielle Eintrittsalter liegt bei 65. Noch größer ist die Differenz in Südkorea.