China wertet seine Währung ab, und weltweit geraten Kommentatoren völlig aus dem Häuschen: Von einer währungspolitischen Kriegserklärung ist da zu lesen und von Chinas verzweifeltem Versuch, das exportgetriebene Wachstumsmodell wiederzubeleben. Doch keiner dieser Vorwürfe hält einer kritischen Prüfung stand. Da Chinas Währung stark an den Dollar gebunden ist, hat sie dessen kometenhafte Aufwertung in den vergangenen Monaten weitestgehend mitvollzogen. Seit dem Beginn des vergangenen Jahres hat der Yuan handelsgewichtet um mehr als zehn Prozent an Wert gewonnen. Dabei geriet er zunehmend unter Abwertungsdruck.

Doch Chinas Zentralbank hielt dagegen, indem sie die Stimmen des Marktes bei ihrer täglichen Festlegung des Wechselkurses immer wieder ignorierte. Zudem wirkte sie einer möglichen Abwertung mit Interventionen auf dem Devisenmarkt entgegen – abzulesen an den geschrumpften Devisenreserven.

Dies mutet zunächst verwunderlich an, bedeutet es doch einen Bruch mit einer jahrelangen Tradition, den Außenwert des Yuan möglichst niedrig zu halten. Tatsächlich aber gibt es gute Gründe für diese Kehrtwende: So wollte Peking durch eine starke Währung die Chancen auf eine Aufnahme des Yuan in den IWF-Währungskorb erhöhen. Zudem bot die Aufwertung einen willkommenen Rückenwind für die zunehmende globale Expansion chinesischer Unternehmen. Nicht zuletzt sollte sie auch den chinesischen Kapitalabfluss reduzieren. Doch vor dem Hintergrund eines schwächeren Wachstums und eines zunehmend unter Druck stehenden chinesischen Exportsektors haben sich die Prioritäten verschoben. Peking ist nicht länger dazu bereit, eine überbewertete Währung zu akzeptieren.

Die jüngsten Abwertungen sind jedoch noch lange keine währungspolitische Kriegserklärung, und sie bedeuten auch nicht die Rückkehr zum alten, exportgetriebenen Wachstumsmodell. Chinas Führung ist es nur allzu schmerzlich bewusst, dass tiefgreifende Strukturreformen notwendig sind, um den Binnenkonsum zu stärken und die Innovationsfähigkeit chinesischer Unternehmen zu erhöhen. Auch ist es völlig offensichtlich, dass eine Abwertung kein Allheilmittel für den schwächelnden Exportsektor darstellt. Denn dieser leidet auch unter steigenden Lohnkosten und einer geringen globalen Nachfrage. Angesichts dieser vielfältigen Herausforderungen erscheint eine Abwertung aber besonders sinnvoll. Schließlich sind Reformen vor allem politisch leichter durchzusetzen, wenn die Wachstumsraten nicht ins Bodenlose fallen.

Doch das Vorgehen der chinesischen Zentralbank gibt Anlass zur Sorge. Ohne jede Vorwarnung wertete die Notenbank den Yuan um fast zwei Prozent gegenüber dem Dollar ab und versetzte damit Investoren weltweit in Angst und Schrecken. Dass sie gleichzeitig eine Reform des Wechselkursregimes vornahm, die den Entscheidungen des Marktes eine größere Rolle einräumen soll, verhallte dabei vielerorts fast ungehört. Dabei hätte das Ziel einer schwächeren Währung so viel eleganter erreicht werden können. Hätte die Zentralbank die Reform mit ein wenig Vorlauf verkündet und auf ihre Intervention verzichtet, wäre der Schock ausgeblieben. Investoren hätten sich auf die Änderungen einstellen können, und die Märkte hätten die Überbewertung des Yuan innerhalb kurzer Zeit korrigiert. Auf diese Weise hätte Chinas Führung nicht nur dem Exportsektor das Leben erleichtert, sondern auch ihrem vor zwei Jahren verabschiedeten Reformprogramm neue Glaubwürdigkeit verliehen.

Stattdessen aber geriet sie angesichts der jüngsten Einbrüche des Exportsektors in Panik und entschied sich nur wenige Wochen nach ihren massiven Eingriffen an den Börsen erneut für eine Ad-hoc-Maßnahme. Die Folge: Verschreckte ausländische Investoren, verunsicherte chinesische Konsumenten und eine Währung, deren Abwertung ohne erneute Interventionen weit über das von Peking anvisierte Ziel hinausschießen könnte.

Die Episode verdeutlicht vor allem eines: Chinas Führung muss dringend lernen, angesichts massiver wirtschaftlicher Probleme einen kühlen Kopf zu bewahren, um Chinas wirtschaftliches Umfeld nicht zusätzlich zu destabilisieren und die Wirtschaftspartner des Landes nicht weiter zu verunsichern.