Auszubildende mit Migrationshintergrund sind in Deutschland häufig Diskriminierungen ausgesetzt. Das geht aus dem Ausbildungsreport 2015 (PDF) des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor. Demnach wurde ein Viertel von ihnen aufgrund von Herkunft oder Staatsangehörigkeit in der Ausbildung schon einmal benachteiligt. 

Und auch andere Indikatoren weisen auf eine Diskriminierung hin. In den Ausbildungsberufen mit den besten Bewertungen sind Auszubildende mit Migrationshintergrund beispielsweise deutlich unterrepräsentiert. Nur knapp mehr als 14 Prozent von ihnen zählen zu den angehenden Bankkaufleuten oder Mechatronikern. 

Überdurchschnittlich stark vertreten sind Menschen mit Migrationshintergrund dagegen in jenen Berufen, die bei der Bewertung der Ausbildungsqualität tendenziell schlechter abschneiden. Jeder Zweite lernt Zahnmedizinischer Fachangestellter, gefolgt von 40 Prozent in der Friseurausbildung. Außerdem finden Migranten viel seltener einen Platz für ihre Wunschausbildung und haben einen schlechteren Zugang zu dualen Ausbildungen.

"Das ist ein absolut unakzeptabler Zustand", sagte DGB-Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller. "Diskriminierung und Ausgrenzung haben auch in den Betrieben nichts zu suchen." Solche Entwicklungen dürfe sich kein Unternehmen leisten. Auch in den Betrieben brauche es eine bessere Antidiskriminierungspolitik.

Von jenen Azubis, die einen Ausbildungsplan haben und diesen auch gut kennen, gab nur gut die Hälfte an, dass er auch immer eingehalten werde. Fast 13 Prozent der minderjährigen Auszubildenden beklagen, regelmäßig mehr als die Höchstzahl von 40 Wochenstunden arbeiten zu müssen. "Diesem klaren Gesetzesverstoß müssten Sanktionen für die Betriebe folgen", sagte DGB-Jugendsekretär Florian Haggenmiller.

Überdurchschnittlich schlecht bewerteten laut dem Report Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Köche, Hotelfachleute, Maler, Lackierer sowie Zahnmedizinische Fachangestellte ihre Ausbildung. So gaben fast 59 Prozent der Hotelfachleute und 57 Prozent der Köche an, regelmäßig Überstunden leisten zu müssen. 

12.000 Betriebe bekamen keine Azubi-Bewerbungen

Auch die Gesamtsituation der Auszubildenden bewertet der DGB kritisch. Fast 40 Prozent aller Azubis leisten regelmäßig Überstunden, ohne den vorgeschriebenen Ausgleich zu erhalten. Knapp ein Drittel werde nicht regelmäßig von ihren Ausbildern betreut. Und selbst im dritten Ausbildungsjahr wüssten immer noch mehr als 44 Prozent nicht, ob sie nach der Ausbildung übernommen werden, heißt es in dem Ausbildungsreport.

Wie in den vergangenen Jahren zuvor sind dagegen Bankkaufleute, Mechatroniker, Zerspannungs- oder Industriemechaniker und Elektroniker besonders zufrieden mit ihrer Ausbildung.

Nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) konnten vergangenes Jahr 32 Prozent der Betriebe nicht alle angebotenen Stellen besetzen. Rund 12.000 Unternehmen bekamen demnach gar keine Bewerbungen. Gleichzeitig beginnen so viele junge Menschen wie nie ein Studium an deutschen Universitäten und Hochschulen. Erstmals übertreffen sie die Anzahl der Azubis.

Dem Bericht liegt eine Befragung von 18.627 Personen zugrunde. Befragt wurden Auszubildende aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen.