Die deutschen Arbeitgeber wünschen sich Lockerungen im Asylrecht, um geflüchtete Menschen möglichst schnell in die Berufswelt zu integrieren. Die Politik müsse dafür sorgen, "dass Asylbewerber nicht viele Monate vom Arbeitsmarkt ferngehalten werden", sagte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Ingo Kramer, der Süddeutschen Zeitung. Nötig seien Deutschkurse vom ersten Tag an und ein Bleiberecht für junge Menschen in Ausbildung.

Die steigenden Flüchtlingszahlen wertete er als Chance für den Arbeitsmarkt. "Wir brauchen in den nächsten 20 Jahren viel mehr Arbeitskräfte, als dieses Land hervorbringen wird", sagte Kramer und sprach von 500.000 freien Stellen in Deutschland.

Derzeit ist das Asylsystem von anderen Zuwanderungswegen strikt getrennt. Wer einen Asylantrag stellt, kann nicht einfach aus diesem Verfahren ausscheren und ein Arbeitsvisum beantragen.

Bisher würden Asylbewerber in den Aufnahmeeinrichtungen eingesperrt. "Was erwarten sie denn da für ein Resultat? So erzeugen sie Streitigkeiten und Vandalismus", warnte BDA-Präsident Kramer. Die fremdenfeindlichen Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte verurteilte Kramer als "engherzig". Viele deutsche Familien hätten nach 1945 selbst fliehen müssen. 

Auf lange Sicht könnten rechtsextreme Ausschreitungen dem Wirtschaftsstandort Deutschland schaden. "Solche Bilder wirken umso stärker, je länger sie sich wiederholen. Deutschland hatte sein Negativimage nach langer Zeit endlich überwunden", sagte Kramer. Das könne jedoch "auch wieder kippen".

"Unser Arbeitsmarkt ist aufnahmefähig"

Auch der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), Frank-Jürgen Weise, sieht für Flüchtlinge gute Jobchancen auf dem deutschen Arbeitsmarkt. "Unser Arbeitsmarkt ist derzeit stabil und aufnahmefähig. Wer gut Deutsch spricht und qualifiziert ist, wird schnell eine Stelle finden", sagte Weise der Bild-Zeitung. Dies treffe allerdings nicht auf den Großteil der neu ankommenden Flüchtlinge zu. "Deshalb müssen wir rasch in Sprache und Bildung investieren. Das erhöht die Chancen auf Arbeit", ergänzte Weise. Arbeit sei zudem die beste Form der Integration.

Auf die Frage, ob Flüchtlinge deutschen Arbeitslosen mögliche Jobs wegnehmen, antwortete Weise: "Ausdrücklich nein. Die Firmen haben so viele offene Stellen wie noch nie und es fällt immer schwerer, diese zu besetzen." Deutschland werde ohne Zuwanderung bis 2025 mehr als 6,5 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter verlieren und brauche daher "ganz klar die qualifizierte Zuwanderung" – und zwar mit "einfachen und verständlichen Regeln" und "weniger Bürokratie".

Wegen der steigenden Flüchtlingszahlen schafft die Bundesagentur für Arbeit zusätzliche Stellen. "Wir sind in den Arbeitsagenturen gerüstet", sagte Weise der Bild. Auch die Jobcenter würden mehr Mittel und Personal benötigen, wie Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) bereits deutlich gemacht habe.