Die Bildungsministerin von Thüringen? Ist leider nicht zu sprechen. Der Bildungsminister von Hessen? Mag kein Interview geben. Die Bildungsministerin von Schleswig-Holstein? Kann diese Woche nicht.

Dies ist womöglich die traurigste Erkenntnis der Berichterstattung von ZEIT und ZEIT ONLINE über die schlimmen Zustände an Deutschlands Schulen: Kein verantwortlicher Minister will sich äußern, niemand möchte Stellung beziehen. Sie ducken sich weg. So wie sie jahrelang weggeschaut haben müssen, wenn Rektoren und Schulräte den schleichenden Verfall der Schulgebäude im Land beklagten. Es hat die Politiker nicht interessiert. Wie sonst kann sein, dass so viele Schulen Bauruinen gleichen?

Deutschland ist ein reiches Land, aber der Reichtum ist nicht gleich verteilt. Wenn in den vergangenen Jahren gefordert wurde, dass Bund und Länder mehr in die Infrastruktur investieren müssten, dann hieß es oft: Ist doch nicht notwendig, hierzulande sieht es immer noch viel besser aus als in, sagen wir mal, Süditalien.

Aber das ist eben nur der oberflächliche Eindruck. Schaut man genauer hin, dann entdeckt man, wie viele Straßen inzwischen voller Schlaglöcher sind; wie viele Brücken nicht mehr befahren werden können; wie viele Schulen so heruntergekommen sind, dass man sein Kind eigentlich gar nicht mehr dorthin schicken mag. Selbst in einem reichen Bundesland wie Bayern ist das so.

3.000 Leser von ZEIT und ZEIT ONLINE haben uns geschildert, wie es an der Schule ihrer Kinder so aussieht. Es ist keine repräsentative Umfrage. Aber liest man diese Berichte, wähnt man sich nicht im reichen Deutschland. Schimmel an den Wänden, einsturzgefährdete Decken, versiffte Toiletten: All das ist Realität. "Beim letzten Elternfrühstück bat man uns, nur in der Mitte des Klassenzimmers zu sitzen, da die Statik des Gebäudes nicht in Ordnung sei", schrieb eine Mutter aus Bayern. Es scheint, als sei die Statik der ganzen Bildungsrepublik nicht mehr in Ordnung.

Jedes dritte Kind geht in der Schule nicht aufs Klo, weil die Toiletten in so einem schlimmen Zustand sind. Man stelle sich einmal vor, in einem Industrieunternehmen wären die Toiletten so verdreckt, dass ein Drittel der Belegschaft nicht aufs Klo ginge: Das Management hätte sofort den Betriebsrat am Hals. Deutschlands Schüler aber haben keine wirksame Interessenvertretung, viele Lehrer und Rektoren haben längst resigniert, und sehr viele Eltern ebenso.

Deutschland verspielt seine Zukunft – und alle nehmen es hin. In den Sonntagsreden der Politiker heißt es ja immer, dass Bildung der Schlüssel für künftigen Wohlstand sei. Aber wie es an den Schulen wirklich aussieht und welche Investitionen dort notwendig sind, kümmert die gleichen Politiker nicht.

Genauso wenig wie uns Journalisten übrigens, soviel Selbstkritik muss an dieser Stelle schon sein: Auch die Medien haben sich blenden lassen – von schönen Reden, guten Vorsätzen und einigen wenigen Vorzeigeprojekten. Wie marode viele Schulen im Land tatsächlich sind, haben wir lange Zeit gar nicht bemerkt.

Pädagogik in der Baracke

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Wie gut ist die Schule Ihrer Kinder?, haben wir gefragt. Die prägnantesten Schilderungen in Karten

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Ein Vater aus dem Saarland

"Lapidar gesagt sieht es an der Schule aus wie in Bulgarien in den Sechzigern."

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Ein Vater aus Hessen

"Die Toiletten würde kein normaler Mensch betreten, dagegen sind die öffentlichen Klos am Hauptbahnhof ein Wellnessparadies."

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