Die Bohai Bucht im Gelben Meer zwischen Korea und China hat im chinesischen Volksmund einen tragischen Namen: leeres Meer. Holten Fischer Ende der 1950er Jahre noch rund 138 Kilogramm je Fangaufwand (einer speziellen Messgröße in der Branche) der beliebtesten Fischarten aus dem Meer, waren es im Jahr 2000 gerade noch fünf Kilo. 40 Jahre lang wurde das Meer überfischt. Die Fischereigründe in der Bucht, aber auch im gesamten Gelben Meer, sind dadurch kollabiert. Was tun? Ganz einfach: Die chinesische Flotte fischt nun in ausländischen Gewässern, vor allem vor Westafrika und im Pazifik.

Chinas Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren beeindruckende Wachstumsraten verzeichnet und ist so zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt aufgestiegen. Auf See ist China mittlerweile sogar Nummer eins. Das Land betreibt mit Abstand die größte Flotte der Welt. Allein zwischen 2011 und 2013 wuchs sie nach Berechnungen der Umweltschutzorganisation Greenpeace um mehr als zwölf Prozent pro Jahr. Fern der chinesischen Heimat fischen mindestens 2.100 Hochseeschiffe. Sie gleichen teilweise schwimmenden Fabriken, auf denen der Fisch gleich filetiert und tiefgefroren wird.

Zählt man all die kleinen Küstenboote und andere kleinere Schiffe zusammen, dann ist Chinas Flotte vier Mal so groß wie die der EU. "China setzt auf Quantität, nicht auf Qualität", sagt Rashid Kang vom Greenpeace Büro in Peking. Er wirft der Regierung Doppelmoral vor: Für die nationalen Gewässer gebe es inzwischen relativ strenge Standards für Fangmengen und Fangmethoden, es werden sogar Fangmoratorien verhängt. "Für seine Hochseefischerei gelten diese strengen Standards allerdings nicht."   

Mit seiner riesigen Flotte trägt China zur Überfischung der Weltmeere bei. Jeder dritte Fisch stammt aus chinesischer Produktion. Die Welternährungsorganisation FAO schätzt, dass von den beliebtesten Fischbeständen weltweit mehr als 30 Prozent überfischt sind, im Mittelmeer sind es sogar mehr als 90 Prozent.

Der Meeresbiologe Daniel Pauly vom Sea-around-us-Projekt der kanadischen Universität Columbia kam vor zwei Jahren in einer Studie zum Schluss, dass China seine Fangmengen in den heimischen und ausländischen Meeren systematisch frisiere, um eine mögliche Überfischung zu vertuschen. Viele Fischereiabkommen Chinas mit anderen Ländern seien geheim – und oft fische China sogar ohne vertragliche Basis in fremden Gewässern. Am Ende leide die lokale Bevölkerung darunter. "Die chinesische Flotte konkurriert mit der lokalen Küstenfischerei um die Bestände", schreibt Pauly in einem Aufsatz. Das führe zu Arbeitslosigkeit und gefährde am Ende auch die Lebensmittelversorgung der Menschen vor Ort. 

Milliardenschwere Umsätze

Für China ist die Hochseefischerei indes ein enormes Geschäft. Pauly schätzt, dass die von chinesischen Booten vor fremden Küsten gefangenen Fische einen Wert von knapp neun Milliarden Euro pro Jahr haben. Vor allem Thunfisch macht die Fänge so kostbar. 

"China setzt vor allem Grundschleppnetze ein, eine der zerstörerischen Arten moderner Industriefischerei", sagt Greenpeacer Kang. Dabei werden Netze über den Meeresboden geschleift, die dabei ganze Ökosysteme wie Korallenriffe zerstören können.