Volkswagen-Skandal in Deutschland: 2,4 Millionen Fahrzeuge sind betroffen und müssen nachgebessert werden. © Axel Schmidt/Reuters
  • Volkswagen hat eingeräumt, Abgastests von Dieselmotoren manipuliert zu haben. Weltweit enthalten etwa elf Millionen Dieselfahrzeuge des Konzerns eine Software, die die Emissionen nur auf dem Prüfstand unter den erlaubten Höchstwert drückt. Rund 8,5 Millionen davon wurden in der EU verkauft. Aufgeflogen war die Manipulation in den USA.
  • In Deutschland sind nach neuestem Stand 2,4 Millionen Fahrzeuge betroffen, die nachgebessert werden müssen. Das Kraftfahrt-Bundesamt hat einen Rückruf angeordnet. Er soll im Januar 2016 beginnen. Volkswagen präsentierte Ende November für den deutschen Markt als Lösung eine technische Nachrüstung und ein Softaware-Update.
  • Weltweit wird wegen des Skandals ermittelt. In Deutschland geht die Staatsanwaltschaft Braunschweig dem Fall nach. Auf VW könnten hohe Milliardenkosten wegen Bußgeldern und Strafzahlungen zukommen.
  • Konzernchef Martin Winterkorn trat wegen der Affäre zurück, sein Nachfolger wurde der vorige Porsche-Chef Matthias Müller.
  • Bei internen Ermittlungen fand VW zudem heraus, dass bei rund 800.000 Fahrzeugen falsche Angaben zum CO2-Ausstoß und Verbrauch gemacht wurden. Betroffen sind dabei auch Autos mit Benzinmotor.

Wie funktioniert die Manipulation der Diesel-Abgastests?

Volkswagen hat eingeräumt, dass in Fahrzeuge mit Dieselmotor eine Software eingebaut wurde, die während offiziellen Emissionstests die Motorsteuerung so ändert, dass das Fahrzeug im Test weniger Abgase ausstößt als im realen Betrieb auf der Straße. Die US-Umweltbehörde Epa bezeichnet die Funktion als Abschalteinrichtung (defeat device).

Dazu muss die Software erkennen, wann der Wagen im Prüfmodus ist. Eine solche Software allein ist nicht verboten – sie dient dazu, dass Autos mit dem Schleuderschutz ESP auf einem stationären Rollenprüfstand problemlos getestet werden können. Eine Funktion, die daraufhin Motorparameter verändert, ist hingegen verboten. Laut der Epa haben die Autos im Alltagsbetrieb die festgelegten Emissionsgrenzen um das bis zu 40-fache überschritten. Die US-Umweltschutzbehörde wirft Volkswagen vor, auf diese Weise die betreffenden Vorschriften bewusst umgangen zu haben.

Um welchen Motor geht es?

Nach Angaben von Volkswagen wurde der Dieselmotor-Typ EA 189 manipuliert, ein Turbodiesel mit Common-Rail-Einspritzung. Diesen hatte VW Mitte der 2000er Jahre entwickelt und ab 2007/2008 in Europa und den USA als "saubersten Diesel aller Zeiten" eingeführt, unter anderem in der US-Version des Jetta.

Der Motor wurde mit Hubräumen von 1,2 bis 2 Litern in viele Autos des Konzerns eingebaut, nicht nur in Fahrzeuge der Kernmarke VW, sondern auch der Konzerntöchter Audi, Škoda und Seat. Škoda verbaute laut eigenen Angaben 1,2 Millionen der betroffenen Motoren, Audi 2,1 Millionen.

Laut Volkswagen sind etwa elf Millionen Fahrzeuge weltweit betroffen, auch leichte Nutzfahrzeuge des Konzerns. In der EU ruft VW nach eigenen Angaben 8,5 Millionen Fahrzeuge zurück. Volkswagen betont, dass heutige Diesel der Abgasnorm Euro 6 nicht betroffen sind. Nicht bekannt ist, ob die Manipulationssoftware in allen Fahrzeugen auch aktiv ist.

Wie viele manipulierte Autos sind in Deutschland unterwegs?

In Deutschland enthalten laut Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt 2,4 Millionen Fahrzeuge die Manipulationssoftware. Kunden können auf Websites von VW, Audi, Seat und Škoda prüfen, ob ihr Wagen betroffen ist. Sie benötigen dazu die Fahrgestellnummer des Autos.

Für den Betrieb des Autos bedeutet die Manipulation zunächst einmal gar nichts. Weder das Fahrverhalten noch die Leistung oder der Verbrauch sind durch die Steuerungssoftware beeinträchtigt, beteuert Volkswagen. Das Auto reguliert lediglich die Abgaswerte herunter, wenn es auf dem Prüfstand steht. Darum droht aktuell auch kein Erlöschen der Betriebserlaubnis; die Modelle haben nach wie vor die Typgenehmigung der zuständigen Behörde (in Deutschland das Kraftfahrt-Bundesamt, KBA). Selbst wenn die Typgenehmigung entzogen werden sollte, erlischt laut Juristen nicht automatisch die Betriebserlaubnis eines konkreten Fahrzeugs.

Bessert VW die Motoren nach?

Das KBA hat einen verpflichtenden Rückruf für alle in Deutschland betroffenen Fahrzeuge angeordnet. Das heißt, dass ab Januar 2016 Millionen Fahrzeugbesitzer mit ihrem Dieselauto in die Werkstatt müssen. Die Halter müssen erst aktiv werden, wenn sie schriftlich zum Werkstattbesuch aufgefordert werden. 

Am 25. November 2015 hat Volkswagen für den deutschen Markt eine technische Lösung präsentiert: Laut VW reicht für die 2,0-Liter-Variante des Motors eine reine Software-Korrektur, die in der Werkstatt nur eine halbe Stunde dauern soll. Beim kleineren 1,6 Liter-Motor muss ein technisches Bauteil installiert werden, das etwa zehn Euro kosten soll – Einbau und Software-Update sollen innerhalb einer Stunde machbar sein. VW hat zugesichert, dass den Kunden durch die Umrüstungen keine Kosten entstünden und will möglicherweise Ersatzwagen bereitstellen.