Nach Griechenland hält nun China die Märkte in Atem. Hinzu kommen Brasilien und Russland, die sich in einer Rezession befinden. Die Weltwirtschaft zeigt sich unverändert fragil und extrem verwundbar. Schon leise Zweifel an der Stabilität eines Landes können sich an den Finanzmärkten schnell zu Panikreaktionen verschärfen und über weltweite Ansteckung die Weltwirtschaft in eine neuerliche Krise stürzen.

In Zeiten der Unsicherheit ist die Gefahr von Herdenverhalten umso größer: Wenn der wahre Zustand der Weltwirtschaft im Unklaren bleibt, orientiert sich jeder am Verhalten der Herde. So gewinnen neue Nachrichten und Gerüchte übermäßig an Bedeutung, führen ein Eigenleben, lösen Chaos und selbsterfüllende Prophezeiungen aus. In der Realwirtschaft werden Investitionen wegen der herrschenden Unsicherheit aufgeschoben. Es droht eine säkulare Stagnation, eine lange Phase niedrigen Wachstums.

Die Hoffnung der Politik, die Krise endgültig überwunden zu haben, bleibt unerfüllt. Sie war auf Sand gebaut – oder besser: auf viel Geld und wenig Anpassung. Staaten haben Schulden gemacht, Zentralbanken die Märkte mit billigem Geld geflutet. Schuldenüberhang und Nullzinsgrenze: In einem solchen Zustand befindet sich nun die Weltwirtschaft und findet keinen Ausweg mehr. Im Gegenteil: Die nächste Krise droht. Und die Wachstumseuphorie der Globalisierung gehört erst mal der Vergangenheit an. 

Marktbereinigung in die Zukunft verschoben

Die globale Finanzkrise von 2008/09 war das Resultat von Ungleichgewichten, die sich über Jahre durch überoptimistische Erwartungen aufgebaut hatten – unterstützt von billigem Geld der Zentralbanken. Statt real die Märkte zu bereinigen, wurde zur kurzfristigen Stabilisierung der Märkte die Illusion genährt, man könne die übertriebene Wachstumseuphorie vergangener Jahre durch Stützung der Vermögenspreise einfach wiederherstellen. Das ist nichts anderes als der Versuch, eine geplatzte Blase wieder aufzublasen.

Interessanterweise war der Reflex und vielleicht sogar die Intention der Krisenpolitik, zum Vorkrisenzustand zurückzukehren. Nun sehen wir, dass der US-Dollar auf- statt abwertet, um das hohe Leistungsbilanzdefizit und die Auslandsverschuldung der USA abzubauen. Die Chinesen werten nicht etwa auf, um ihren Exportüberschuss und ihre Devisenreserven abzubauen. Kurzum: Die Weltwirtschaft hat die Krise kurzfristig eingedämmt, indem sie notwendige Korrekturen und Marktbereinigungen einfach noch weiter in die Zukunft verschoben hat.

Wie konnten die Märkte davon überzeugt werden, dass dies auch tatsächlich geht? Nun, die Zentralbanken haben schlicht dieses Versprechen abgegeben, und die Märkte ebenso wie die Politik haben das geglaubt. Doch so einfach ist es eben nicht. Jetzt schlägt die Krise zurück, und die Krisenpolitik steht vor einem Scherbenhaufen. Zeit ist gekauft worden mit Geld, das so reichlich war, dass Zeit keinen Preis mehr hatte und notwendige Korrekturen noch weiter in die Zukunft verschoben wurden.