Die Idee ist simpel: An elf zentralen Orten – auch Hotspots genannt – will die EU die ankommenden Flüchtlinge schneller registrieren und innerhalb der Gemeinschaft verteilen. Die Flüchtlinge sollen dort identifiziert werden und einen Asylantrag stellen können. So soll vermieden werden, dass sie sich auf eine Reise quer durch Europa machen.

Geplante Hotspots in Italien und Griechenland:

Vor Ort wird bereits entschieden, ob sie – entsprechend des neuen Umverteilungsmechanismus – in ein anderes EU-Land gebracht werden und dort über ihren Asylantrag entschieden wird. Oder ob sie direkt in ihre Heimatländer abgeschoben werden. Die Organisation der Hotspots übernehmen die nationalen Behörden mit Unterstützung des Europäischen Asylagentur EASO, der Grenzschutzagentur Frontex und Europol.

Bislang existiert allerdings nur ein Hotspot auf der Mittelmeerinsel Lampedusa, von dem EASO sagt, dass er "voll funktionsfähig" sei. Alle anderen sind noch im Aufbau. In der vergangenen Woche wurde auf der griechischen Insel Lesbos ein weiterer eröffnet, der aber nur langsam seine Arbeit aufnimmt.

Elf Hotspots bis Jahresende geplant

Die EU geht davon aus, dass erst Ende des Jahres alle elf Hotspots eingerichtet sind. Experten schätzen allerdings, dass es noch länger dauern wird. Das Hauptproblem: Es fehlt an Fachpersonal, das vor allem Frontex und EASO zur Verfügung stellen sollen. Diese aber wiederum sind auf Grenzschützer und Fachpersonal aus den EU-Mitgliedsstaaten angewiesen. Sie kommen ihren Verpflichtungen aber nur schleppend nach.

Hinzu kommt, dass die Kapazitäten bereits jetzt extrem knapp kalkuliert sind. Der Hotspot auf Lesbos hat gerade einmal knapp 1.500 Plätze. Dabei sind laut Frontex allein zwischen Januar und September knapp 360.000 Flüchtlinge illegal über Griechenland, Bulgarien und Zypern in die EU eingereist. 

Die ersten Erfahrungen auf Lesbos zeigen auch, woran es vor allem mangelt: Vertrauen. Viele Flüchtlinge sind nicht bereit, ihre Fingerabdrücke abzugeben. Doch ohne den Abdruck ist eine Registrierung und Verteilung auf andere EU-Staaten nicht möglich. Auch eine Rückführung wird es so erheblich erschwert.