"Irgendwie ist es zur Routine geworden. Die Berichte darüber sind Routine. Meine Antwort an diesem Podium wird zur Routine." Ein frustrierter Barack Obama beschrieb am Donnerstag gegen 18:30 Uhr Ortszeit im Weißen Haus, was US-Amerikaner kaum noch leugnen können: In keinem anderen großen Industrieland gibt es so viele Schießereien mit Toten wie in den USA. Anlass von Obamas inzwischen 15. Erklärung zu Massenschießereien seit seinem Amtsantritt 2009: Im Westküstenstaat Oregon hatte an einer Hochschule ein 26-Jähriger neun Menschen erschossen, ehe er im Schusswechsel mit der Polizei selbst ums Leben kam.

In seiner Rede nannte der US-Präsident einige Orte, die wegen Todesschützen in die Schlagzeilen gerieten: die Columbine-Schule in Colorado im April 1999, Blacksburg/Virginia (April 2007), eine Grundschule in Newtown/Connecticut (Dezember 2012), ein Kinosaal in Aurora/Colorado während der Premiere eines Batman-Films (Juli 2012) und erst im Juni 2015 eine Kirche in South Carolina.

Die vollständige Liste ist erheblich länger. Um wie viel länger, macht die Infografik klar, die das Portal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat. Mittlerweile kommen in den USA fast so viele Menschen durch Schusswaffen zu Tode wie bei Verkehrsunfällen: Im Jahr 2013 starben in den USA 35.612 Menschen durch motorisierte Fahrzeuge, wie es im Statistiker-Sprech heißt – erschossen wurden in derselben Zeitspanne 33.636 Personen, also gerade mal 1.976 weniger.

Dass sich beide Statistiken in den vergangenen Jahren angeglichen haben, liegt daran, dass die Zahl der Verkehrstoten rückläufig ist, während die Zahl der Schusswaffenopfer leicht zunimmt. Einige Experten erwarten sogar, dass die Zahl der Waffentoten die der Verkehrsopfer bald übersteigen wird.

Eine solche Entwicklung will Barack Obama verhindern. Wenige Stunden nach dem Massaker in Roseburg/Oregon forderte er erneut schärfere Waffengesetze: "Es kann nicht so einfach für jemanden sein, der anderen Schaden zufügen will, seine Hände an eine Waffe zu bekommen." Doch bislang scheiterten Obamas Versuche, strengere Regeln durchzusetzen, am Widerstand der Republikaner im Kongress – und an der mächtigen Waffenlobby. Die National Rifle Association (NRA) sieht sich als Verteidigerin des in der US-Verfassung verbrieften Rechts, Waffen zu besitzen.