Experten der 28 EU-Mitgliedsländer haben als Konsequenz aus den manipulierten Abgastests beim Volkswagen-Konzern striktere Normen zur Überprüfung von Dieselautos verabredet. Die künftigen Standards seien mit "großer Mehrheit" angenommen worden, teilte die EU-Kommission mit.

Die Tests sollen realen Straßenverhältnissen näher kommen als die bisherigen, um die tatsächliche Schadstoffbelastung besser messen zu können. Sie sollen vom 1. September 2017 an für alle neuen Automodelle verbindlich sein, bevor diese für den Verkauf zugelassen werden.

Die neuen Richtlinien sind eine Reaktion auf die Abgas-Manipulationen des Volkswagen-Konzerns. Der hatte die Abgaswerte seiner Dieselfahrzeuge durch eine Software manipuliert, was bei den bisher üblichen Labortests zu einem niedrigeren Schadstoffausstoß geführt hatte. Die neuen Tests (Real Driving Emissions – RDE) sollen weniger anfällig für solche Tricks sein, da sie auf der Straße unter realistischen Fahrbedingungen stattfinden.

Die Tests sehen vor, dass der Stickoxid-Ausstoß auf der Straße dauerhaft um die Hälfte über den im Labor gemessenen Werten liegen darf, teilte die EU-Kommission mit. In einer Übergangsphase kann die Abweichung mehr als das Doppelte betragen.

Für neue Fahrzeugtypen gelten die neuen Regelungen ab dem 1. September 2017 und für neu zugelassene Fahrzeuge ab dem 1. September 2019. Dann darf der gemessene Stickoxid-Ausstoß aber noch um das 2,1-Fache über dem Laborwert liegen. Die Übergangsphase endet am 1. Januar 2020 für neue Fahrzeugtypen und am 1. Januar 2021 bei allen neu zugelassenen Autos. Danach dürfen die Überschreitungen auf der Straße das 1,5-Fache betragen. Diplomaten zufolge werde diese Obergrenze "dauerhaft" gelten.

EU-Industriekommissarin Elżbieta Bieńkowska sagte, mit dem Beschluss sei die EU "die erste und einzige Region in der Welt, die diese robusten Testmethoden einführt". Ihrer Behörde zufolge betragen die Abweichungen zwischen Labormessungen und tatsächlichem Ausstoß auf der Straße heute noch das Vierfache.

Grüne und Greenpeace kritisieren Regelungen als unzureichend

Der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) nannte die vereinbarten Werte "sehr ambitioniert". Sie stellten Autobauer und Zulieferer "vor große technische und wirtschaftliche Herausforderungen", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann.

Die Vorsitzende der Grünen im Europaparlament, Rebecca Harms, kritisierte eine "zynische Entscheidung" der Mitgliedstaaten. "Allen voran die deutsche Bundesregierung hat offenbar nichts aus dem Abgasskandal von Volkswagen gelernt", sagte Harms. "Europäische Automobilhersteller werden für ihre Dreistigkeit belohnt, keine Anstrengungen zu unternehmen, die europäischen Regeln einzuhalten und ihre Fahrzeuge zu verbessern."

Greenpeace teilte mit, die Entscheidung schädige nicht nur die Umwelt, sondern gefährde auch die Gesundheit der europäischen Bürger. "Politiker schmeicheln sich weiter bei Lobbyisten ein, die klar für Herzinfarkte, Asthma und unumkehrbare Schäden am Klima verantwortlich sind", erklärte der Greenpeace-Energieexperte Jiri Jerabek. Umweltschützer forderten einen strengen Abweichungsfaktor, das heißt nur in geringem Maß erlaubte höhere Abgaswerte auf der Straße als im Labor.

Das EU-Parlament muss den Neuregelungen noch zustimmen. Zuvor hatte das Parlament die neuen Tests als unzulänglich kritisiert.